Erinnerungen an einen Weltstar



Everswinkel (gl) - Der schlichte Grabstein auf dem Everswinkeler Friedhof deutet nicht auf eine glamouröse Welt der Kunst und Musik hin. Nur wenige im Vitusdorf wissen um die begnadete Künstlerin Elisabeth Grümmer, die zu den herausragenden  Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts gezählt wird.

Als Agathe in Webers „Freischütz“ feierte Elisabeth Grümmer umjubelte Erfolge auf der Opernbühne.

Sie verbrachte ihren Lebensabend bei ihrer Tochter Karin Schulze Zurmussen in Everswinkel und starb am 6. November 1986 in Warendorf. 1911 in Niederjeutz in Elsass-Lothringen geboren, erlebte sie die Musik bereits als Kind durch ihren Vater, der ein begeisterter Chorsänger war. Nachdem die junge Dame mit ihren Eltern nach Meiningen umgezogen war, entdeckte sie ihre Liebe für das Theater und wurde bald eine junge und erfolgreiche Schauspielerin in klassischen Rollen, gab aber bald ihr Metier auf – der Liebe wegen. Sie heiratete Mitte der 30er-Jahre den Violinisten und Kapellmeister Detlef Grümmer, der kurz danach ein Engagement als Kapellmeister am Aachener Theater erhielt. Hier wurde Elisabeth Grümmer, die ihre Künstlerkarriere wieder aufgenommen und Gesangsunterricht erhalten hatte, Anfang der 40er-Jahre von dem damaligen Generalmusikdirektor Herbert von Karajan entdeckt. Trotz der Wirren des Zweiten Weltkriegs ging es ab dann mit ihrer Gesangskarriere steil bergauf. Nach dem Kriegsende – ihr Mann war bei einem Bombenangriff in Aachen ums Leben gekommen – wurde Elisabeth Grümmer 1946 Ensemblemitglied der Städtischen Oper in Berlin, heute die Deutsche Oper Berlin. Sie wurde zu einer international anerkannten Sängerin, die bereits 1951 im Covent Garden in London auftreten durfte. Es folgten die Salzburger Festspiele unter dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler und später viel umjubelte Gastspielreisen nach London, Mailand, New York, Paris, Buenos Aires, Salzburg, Wien und ein acht Jahre langes Engagement bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen, bei denen die Spranistin die großen Gesangsrollen im „Lohengrin“, in den „Meistersingern“ und im „Ring der Nibelungen“ übernahm. Im Jahr 1965 erhielt Grümmer eine Professur an der Musikhochschule Berlin, später eine Professur in Paris. Ihren Abschied von der Opernbühne nahm sie im Jahr 1972. Außerdem war sie Vorsitzende der heutigen Paul-Hindemith-Gesellschaft in Berlin und Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin. Am morgigen Sonntag jährt sich der Todestag der Künstlerin zum 25. Mal.

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