Ernte und Preise lassen Bauern strahlen 



Münster (ame). Ernte gut, alles gut – auf diese kurze Formel lässt sich die Erntebilanz 2012 des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) bringen. Diese präsentierte der neue WLV-Präsident Johannes Röring am Freitag auf dem Hof Holtmann in Münster-Albachten.

So schmeckt der Herbst: Zum Erntedankfest am Sonntag ist der Hof Holtmann in Münster-Albachten farbenfroh geschmückt worden – ganz zur Freude auch von Pauline (l.) und Josefine. Auf dem Hof ihrer Eltern stellte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband jetzt seine Erntebilanz 2012 vor.

 Seine Bilanz-Premiere hätte kaum besser ausfallen können: Eine überraschend gute Ernte, ordentliche Preise und gute Perspektiven für die Betriebe in Westfalen-Lippe prägen die zuversichtliche Stimmung unter den Landwirten in der Region. In diesem Jahr dürfte den Bauern das ihnen nachgesagte „dauernde Stöhnen“ schwer fallen, meinte Röring. „Wir bleiben letztlich ein von der Witterung abhängiger Wirtschaftszweig, aber in diesem Jahr war das Wetter auf der Seite der Bauern“, erklärte der WLV-Präsient. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband schätzt den durchschnittlichen Ertrag bei Getreide in Westfalen-Lippe auf 7,3 Tonnen pro Hektar Fläche. Damit liegt der Ernteertrag 3,7 Prozent über dem Vorjahr und 2,7 Prozent über dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre. Sowohl bei Getreide wie auch beim Raps lagen die Erträge in Westfalen-Lippe über dem Bundesdurchschnitt.

Teure Futtermittel

Erfreulich ist aus Sicht der Landwirtschaft das stabile und hohe Preisniveau. Ein Grund dafür sind allerdings erhebliche Ernteausfälle in den USA, in Südamerika sowie in Russland, der Ukraine und Kasachstan. Der Segen der heimischen Ackerbauern ist zugleich der Fluch der Tierhalter, die unter steigenden <mediaobject class="imageleft" id="X0.6732962116640624" idref="X0.32223451627888566" type="image" uid="6286399e-d4ff-4fa3-b853-99796b3767c4" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/6286399e-d4ff-4fa3-b853-99796b3767c4/johannes-roering(1).jpg" uuid="6286399e-d4ff-4fa3-b853-99796b3767c4" x0="0" x1="100" y0="0" y1="100"> <element name="Unterschrift"/> <element name="Quelle"/> </mediaobject>Futtermittelpreisen zu leiden haben. Die machen, etwa bei Schweinehaltern, bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten aus. Während Schweinefleisch mit aktuell 1,93 Euro/Kilogramm ordentlich vergütet werde, sieht der WLV-Präsident Röring (Bild) bei Milch- und Molkereiprodukten preislich Nachholbedarf. Die gestiegenen Kosten müsstne auch durch Preiserhöhungen bei den Produkten an den Verbraucher weitergegeben werden. Dass in der modernen Landwirtschaft ständig nach neuen Ideen und Marktchancen gesucht wird, zeigt auch der Betrieb Holtmann. Im vergangenen Jahr begann dort, zunächst „hobbymäßig“, die Aufzucht von Wagyu-Rindern. Gerade sind zwei der Tiere, die qualitativ hochwertiges Fleisch liefern geschlachtet. Das eine wurde innerhalb Münsters verkauft, das andere sicherte sich der Hamburger Star-Koch Tim Mälzer, berichtete Holtmann.

Flächenverlust bereitet Sorge

Auch wenn Preise und Ernteertrag stimmen – ohne Sorgen sind die Bauern dennoch nicht: Der Verlust an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen wird zunehmend zu einem begrenzenden und mitunter existenzbedrohenden Faktor für den Berufszweig. „Ackerflächen und Grünland müssten geschützt werden wie der Wald“, forderte WLV-Präsident Johannes Röring gestern angesichts der Tatsache, dass den Landwirten bundesweit täglich 80 Hektar Flächen verloren gehen. Die werden benötigt für Siedlungs- und Straßenbau, fallen aber auch, so Röring, wegen „unsinniger Ausgleichsmaßnahmen“ weg. So müssten etwa für den Bau einer Windkraftanlage drei bis vier Hektar Fläche ökologisch aufgewertet werden, wodurch sie nicht mehr als Acker genutzt werden können. Das sei in der heutigen Zeit, in der Böden für die Produktion von Lebensmitteln und Energie benötigt würden, so nicht mehr tragbar. Die Flächenausgleichsregelung müsse grundlegend neu überdacht werden. Dazu sei es erforderlich, dass private oder gewerbliche Neubautätigkeiten vorrangig auf bestehende Siedlungsbereiche konzentriert werden.

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