Erstes E-Taxi fährt durch den Kreis



Beckum (peng) - Schon seit zwölfeinhalb Jahren ist Daniela Busse Taxifahrerin. Seit wenigen Tagen kurvt sie nun nahezu geräuschlos durch die Straßen. Und zwar mit dem ersten E-Taxi im Kreis Warendorf.

„Elektromobilität ist die Zukunft“, begründet Petra Helmdach, Inhaberin des gleichnamigen Beckumer Unternehmens, die Entscheidung. Und dieser wollen sie und ihr Team frühzeitig entgegensteuern. Bei nur einem E-Auto soll es demnach auch nicht lang bleiben. Und auch andere Taxi-Unternehmen werden bald nachziehen, vermutet Helmdach.

„Absolut geräuschlos“

Christian Wohlrab, Leitender Mitarbeiter, ist vom Fahrzeug begeistert. „Es entschleunigt“, betont er. „Man kommt schnell voran, ohne es zu merken. Und dabei ist es absolut geräuschlos.“ Zudem sei das Laden im Vergleich zum Tanken der anderen Dieselfahrzeuge deutlich günstiger. Auch die Haltungskosten seien geringer. Und für die Anschaffung musste Petra Helmdach nicht tiefer in die Tasche greifen als gewohnt. Denn vom Staat und dem Autohaus gab es Zuschüsse.

Noch keine Nachteile entdeckt

„Nachteile haben wir noch keine entdeckt“, berichtet Wohlrab und lacht. „Entscheidend ist die Kommunikation zwischen den Fahrern.“ Das potenzielle Problem „Reichweite“ räumt er damit schnell aus dem Weg. 200 bis 250 Kilometer kann das E-Taxi zurücklegen. Grundsätzlich wird jeden Tag nach Feierabend geladen. Muss das bereits während einer Schicht passieren, steuert Daniela Busse die nächste Schnellladesäule an. Eine befindet sich an der Raststätte in Vellern, die andere am Autohof Hamm-Uentrop. Innerhalb von 20 Minuten ist der Akku voll. Steht mehr Zeit zur Verfügung – zum Beispiel während der Nacht – kann das Fahrzeug auch an einer der normalen Säulen im Umkreis (in Beckum gibt es fünf) aufgeladen werden. In einigen Woche kann Helmdach auch auf ein eigenes Exemplar zurückgreifen. Besonders im Stadtverkehr spiele das E-Taxi seine Stärken aus, berichtet Wohlrab. „Wenn es bremst, holt es sich Energie zurück.“ Damit erhöhe sich dann die Reichweite.

Mitarbeiter fiebern dem Fahren entgegen

Bislang ist mit Daniela Busse lediglich eine Mitarbeiterin für das Fahren des E-Taxis geschult worden. Künftig soll sie ihr Wissen an die anderen weitergeben, sodass sich das gesamte Team hinters Steuer setzen darf. Und die können es laut Christian Wohlrab kaum abwarten. „Wann darf ich denn mal fahren?“ heiße es regelmäßig von allen Seiten.

Abschied vom Motorgeräusch

Daniela Busse fährt sich in diesen Tagen ein. Scheinbar routiniert tätigt sie schon jetzt jeden Schritt und Handgriff. „Es ist schon eine Umstellung“, gibt sie zu. „Man darf keinen Bleifuß haben, sonst geht der Akku schneller leer“, sagt sie. Zudem gelte: Sanft Anfahren und auf der Autobahn kein Vollgas geben. Wer beim Fahren auf ihren Fuß schaut, merkt, dass das Auto bereits dann bremst, wenn sie vom Gaspedal geht. Auch das war anfangs neu für die Mitarbeiterin. Das Motorgeräusch fehlt Daniela Busse im Moment noch etwas. Nur wenn die Reifen mal über eine weniger glatte Fläche rollen oder der Wind pfeift, mache sich das Auto bemerkbar. „Daran gewöhne ich mich aber.“

Gäste sind begeistert

Die Gäste, die bereits in den Genuss des neuen Elektroautos gekommen sind, zeigten sich begeistert. „Wie viel Schmiergeld muss ich Ihnen zahlen, damit Sie mich immer damit abholen?“, habe ein Mann, der regelmäßig mit Helmdach Taxi fährt, scherzhaft nachgefragt, berichtet Wohlrab. Zudem schätzten sie, dass das Unternehmen damit der Umwelt etwas Gutes tue.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Kia Soul EV. Auf dem Display zeigt es unter anderem die Reichweite, die Ladung sowie die umliegenden Stationen an. Bekommt es Durst, erinnert es Daniela Busse kurz per Sprachnachricht. Keine Sorge also vor einem plötzlichen Stillstand.

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