Erweiterung auf 2998 Schweine geplant



Langenberg-Benteler (kaw) - Seine Mastschweinehaltung möchte ein Landwirt an der Graftstraße in Benteler aufstocken. Für den Betrieb ist eine Erweiterung auf 2988 Plätze für diese Tiere vorgesehen. Bisher ist eine Kapazität von 1890 genehmigt.

Mit einem Antrag auf Genehmigung der um 1108 Tiere erhöhten Zahl an Mastschweinen in einem landwirtschaftlichen Betrieb hatten sich die Mitglieder in der jüngsten Sitzung des Langenberger Ausschusses für Planung, Bauen und Umwelt zu befassen.

Der Kreis Gütersloh hat die Gemeinde Langenberg darum gebeten, das gemeindliche Einvernehmen herzustellen und  ihr den Antrag auf Genehmigung gemäß dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorgelegt. Mit einigen Bauchschmerzen sowie bei acht Ja-, fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung haben die Mitglieder während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Planung, Bauen und Umwelt ihre Zustimmung erteilt.

Baurechtlich spricht nichts dagegen

Gemäß dem Kreis ist laut Gemeindeverwaltung das Vorhaben zulässig, da das betroffene Grundstück im Flächennutzungsplan als Fläche für die Landwirtschaft dargestellt sei. „Wir als Gemeinde haben nur städtebaulich zu befinden. Der Betrieb liegt im Außenbereich, und laut Baugesetzbuch gibt es keinen Grund abzulehnen“, legte Bauamtsleiter Dirk Vogt den in der Mehrzweckhalle versammelten Ausschussmitgliedern die Situation dar. „Wenn der Kreis zwei Monate nichts von uns hört, gilt die Genehmigung am 9. August automatisch als erteilt“, erläuterte er weiter mit Blick auf das Schreiben der Kreisbehörde vom 9. Juni. Sich nicht zu positionieren oder abzulehnen, würde den Kreis also nicht hindern. Die Erweiterung der Tierplätze in dem Landwirtschaftsbetrieb soll laut Darlegung der Verwaltung zum einen durch Umnutzung eines bisherigen Rinderstalls geschehen sowie durch den Neubau eines Schweinestalls.

Mit dem Vorhaben verbunden ist der Umbau einer Lüftungs- und der Neubau einer Filteranlage. Gemäß der Unterlagen, die der Kreis der Gemeinde zu dem Vorhaben vorgelegt hat und die sich in der Verwaltungsvorlage finden, ist es vorgesehen, dass die Mastschweine in Gruppen auf Vollspaltenboden gehalten werden. Die Abteilungen sollen durch Buchtengitter unterteilt werden. Die Entsorgung der Exkremente könne sichergestellt werden, indem die zur Verfügung stehenden Ackerflächen mit der Schweinegülle gedüngt beziehungsweise über Abnahmeverträge ausgebracht werde. Frischwasser für die Stallungen werde über eine eigene Wasserversorgung erfolgen. Mit Blick auf den Lärm wird darüber informiert, dass für An- und Abtransport von Futter sowie Tieren per Lastwagen mit drei Fahrten pro Woche und dabei maximal zwei pro Tag zu rechnen sei. Zwischen 22 und 6 Uhr werde nicht gefahren werden. Geruchsbelästigungen seien nicht zu erwarten, da keine Versprühungen stattfänden.

Bedenken aus Gewissensgründen

Obwohl der Fall offenbar baurechtlich klar gelagert war, entspann sich während der Ausschusssitzung eine Diskussion zu ethischen Aspekten von Tierhaltung. „Ich verstehe nicht, wie Landwirten noch empfohlen wird, in diese Richtung zu gehen“, merkte Aloys Thumann allgemein zu Landwirtschaftspolitik an, die Massentierhaltung fördert. „Ich sehe wohl den europaweiten Wettbewerb“, räumte der sachkundige Bürger Matthias Maier ein, betonte aber zugleich: „Ich muss aus Gewissensgründen mit Nein stimmen.“ Das Erweiterungsvorhaben entspreche nicht seiner Philosophie. Eine Diskussion auf dieser Ebene sei zwar gut und wichtig, merkte Monika Düsing (CDU) an, aber es sei beim vorliegenden Tagesordnungspunkt nur darüber zu entscheiden, ob den Plänen städtebauliche Aspekte entgegenstünden. Es gelte dementsprechend abzustimmen – „ob einem das gefällt oder nicht und bei allen berechtigten Einwänden“, machte sie ihr Dilemma deutlich. „Auch wenn es uns stinkt, wir müssen gute Gründe finden“, zielte Heribert Neukirchs (UWG) Argumentation in dieselbe Richtung.

Braunholz fordert Umdenken

„Wir müssen insgesamt umdenken“, sagte der sachkundige Bürger Silvio Braunholz, dem es hingegen wichtig war, ein Zeichen zu setzen, in der Hoffnung, dass es vielleicht zum Nachdenken anrege. Die Frage von Philipp Micus (SPD), ob die angedachte Straßenbausanierung womöglich dem Vorhaben aufschiebend entgegensteht, verneinte Vogt. Sowohl die Ausschussvorsitzende Helge Rix (CDU) als auch Silvio Braunholz erinnerten daran, dass die Kommunalpolitik seinerzeit, als es bei einem ähnlich gelagerten Antrag um den Neubau eines Masthähnchenstalls am Schlingfeldweg ging, gegen die Herstellung des gemeindlichen Einvernehmens gestimmt habe. Aus Sicht von Bauamtsleiter Dirk Vogt sei die Situation jedoch eine andere gewesen. „Da gab es einen Anhaltspunkt und wir haben das rechtlich prüfen lassen“, blickte er zurück. Seinerzeit hatte die Gemeinde nach juristischer Prüfung den Bauantrag „wegen vorhandener Kumulation“ abgelehnt. Es wurde argumentiert, dass der geplante Neubau eines Stalls mit 29 990 Plätzen mit früheren Projekten des Landwirts in Zusammenhang stehe, wodurch sich eine Anhäufung ergebe und damit die Maximalzahl der Tiere überschritten würde („Die Glocke“ berichtete).

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.