ESG-Lehrer streitet Vorwürfe des Staatsanwalts nicht ab



Gütersloh (gl) -  Der 43-jährige Oberstudienrat vom Evangelisch Stiftischen Gymnasium hat vor dem Schöffengericht Gütersloh der Annahme der Staatsanwaltschaft, eine Schülern sexuell missbraucht zu haben, nicht widersprochen. Das Verfahren wurde daraufhin vom Vorsitzenden Richter Ulrich Koschmieder nach knapp einer Stunde Verhandlungsdauer eingestellt.

Am Amtsgericht Gütersloh musste sich am Dienstag ein Lehrer des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums wegen sexuellen Missbrauchs verantworten

„Das ist kein Geständnis“, betonte Willi Ehmke, der Rechtsanwalt des Angeklagten, nach der Verhandlung. Sein Mandant habe die Feststellung der Staatsanwaltschaft nicht anerkannt. Der Lehrer für Mathematik und Erdkunde muss eine Geldbuße über 2500 Euro an die Ärztliche Beratungsstelle bei Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern  in Bielefeld zahlen. Wenn das Geld bei der Einrichtung angekommen ist, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Appell an die Vernunft

Direkt zu Beginn der Verhandlung hatte Richter Koschmieder den Angeklagten darauf hingewiesen, dass er sich nicht zu den Vorwürfen äußern müsse. „Wir haben aber auch darüber gesprochen, ob es eine Möglichkeit gibt, das Verfahren abzukürzen“, sagte Koschmieder. „Ich appelliere an Ihre Vernunft“, wandte sich Koschmieder an den Angeklagten. Sowohl für ihn als auch für die betroffene Schülerin sei es eine enorme psychische Belastung, vor Gericht noch einmal über die Vorgänge am 1. September vergangenen Jahres zu sprechen. „Was im Elternsprechzimmer der Schule geschehen ist, wissen nur Sie und die Schülerin“, sagt der Richter. Wie das Gericht am Ende der Verhandlung über beide Versionen entscheide, sei nicht abzusehen. Als Jugendrichter sei Koschmieder geschult darin, den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu deuten.

Haftstrafe möglich

Der Vorsitzende Richter führte aus, welche Strafe der Oberstudienrat zu erwarten habe, sollte die Anklage stimmen. Eine Freiheitsstrafe von etwa einem halben Jahr sei nicht unwahrscheinlich. Die könnten in eine Geldstrafe umgewandelt werden. Dazu kämen Kosten für Verfahren, Nebenklage und Verteidigung. „Da kommt viel Geld zusammen.“ Dann baute Richter Koschmieder dem Angeklagten eine goldene Brücke: „Wenn eine Vernehmung der Geschädigten nicht notwendig ist, würde sich das in hohem Maße strafmildernd auswirken“, sagte Koschmieder. „Es könnte sogar ganz auf eine Strafe verzichtet werden.“ Der Angeklagte käme dann mit einer Geldbuße davon, die innerhalb von vier Monaten an eine gemeinnützige Einrichtung gezahlt werden müsse.

Lehrer will weiter an der Schule unterrichten

Nach seinen Ausführungen unterbrach Richter Koschmieder die Verhandlung, um dem Lehrer und seinem Verteidiger Willi Ehmke die Möglichkeit zu geben, eine Entscheidung zu treffen. Nach wenigen Minuten konnte die Verhandlung fortgesetzt werden. Rechtsanwalt Ehmke erklärte für seinen Mandanten, dass die in der Anklage beschriebenen Umstände nicht bestritten werden. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt. Der Rechtsanwalt will jetzt einen Antrag auf angemessene Weiterbeschäftigung am Evangelisch Stiftischen Gymnasium stellen. Der Oberstudienrat wolle weiter in der Einrichtung unterrichten.

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