Flüchtlinge fürs Handwerk fit machen



Kreis Gütersloh (wl) - „Wir wollten handeln statt abwarten“, sagen Elke Brost, die Leiterin des Reckenberg-Berufskollegs in Rheda-Wiedenbrück, und Veit Wixforth, Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) Gütersloh,  über ein besonderes Ausbildungsprojekt für Flüchtlinge.

Erfolgreiches Pilotprojekt: (v. l.) Ludger Liermann (Innungsmitglied), Armen Ghazaryan, Amer Issa, Mouhenad Hashem, Omar Farooq Hotak, James Saloum, Kheri Yousif, Werkstattleiter Marcus Kersting, Innungsobermeister Veit Wixforth, Friedhelm Drüner (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft) und Lehrlingswart Bertram Barzak.

Ziel ist es, Männern im Alter von 18 bis 28 Jahren eine Berufsperspektive im SHK-Handwerk zu geben. Dahinter steht ein zwischen dem Berufskolleg und der Innung abgestimmtes Verfahren, um die Teilnehmer mit einer Mischung aus Schulunterricht, praktischer Werkstattarbeit und Betriebspraktikum auf eine weitergehende Einstiegsqualifizierungsmaßnahme vorzubereiten. Erst danach, da sind sich die Initiatoren einig, mache eine reguläre Ausbildung im SHK-Handwerk Sinn.

Pilotprojekt von Berufskolleg und SHK-Innung

Kurz vor Abschluss des achtwöchigen Pilotprojekts ziehen alle Beteiligten ein positives Fazit. Fehlende oder nur in Ansätzen vorhandene Sprachkenntnisse der Teilnehmer wurden von vornherein eingeplant. Deshalb liegt der Schwerpunkt dieser Vorbereitungsmaßnahmen in der Vermittlung von Sprachkompetenz. Mit Dr. Feldmann von der Uni Münster wurde ein renommierter Wissenschaftler mit ins Boot genommen, der über einschlägige Erfahrungen verfügt und passende Unterrichtsmaterialien für die Sprachförderung in der Arbeitswelt entwickelt hat.

Fachbezogenes Deutsch ist wichtig

Schulunterricht und die praktische Arbeit in der Lehrwerkstatt der Innung sind deshalb stark vom fachbezogenen Deutsch geprägt. Diese Kenntnisse können die Teilnehmer dann beim Praktikumstag im Handwerksbetrieb einsetzen und ausprobieren.

Ludger Liermann, Inhaber eines SHK-Fachbetriebs aus Rheda-Wiedenbrück, ist von seinem Praktikanten Armen Ghazaryan begeistert. „Armen ist sehr motiviert und lernt schnell.“ Liermann könnte sich gut vorstellen, den jungen Mann nach einer einjährigen Einstiegsqualifizierung, bei der er weiterhin ein bis zwei Tage ein Praktikum bei ihm absolviert, als Lehrling einzustellen.

Qualifizierungsklasse ist geplant

„Jetzt nach dem Pilotprojekt müssen alle Partner sich wieder zusammensetzen, um die nächsten Schritte zu unternehmen“, sagt Elke Brost. Sie hofft, dass sie nach den Sommerferien eine Qualifizierungsklasse mit mindestens 16 interessierten Migranten zusammenbekommt. Auch im ersten Jahr der Ausbildung sollen die Teilnehmer weiter sprachlich gefördert werden, damit sie in den normalen Berufsschulklassen keine Probleme bekommen.

Die Innung steht in den Startlöchern. „Wir würden es begrüßen, wenn die angestrebte Klassenstärke erreicht würde. Ich sehe kein Problem darin, Praktikumsplätze für alle zu finden“, sagt Lehrlingswart Bertram Barzak.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Kreisseite Gütersloh in der „Glocke“ vom 18. Juli.

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