Flüchtlingspaar bekommt Zwillinge



Gütersloh (din) - Es sind zwei Jungen. Erst hat um 8.36 Uhr Elirjon im St.-Elisabeth-Hospital das Licht der Welt erblickt, zwei Minuten später sein Bruder Edris. Das war am 31. August. Der Mutter Valdete Qaushi (31) und ihren Kindern geht es – den Umständen entsprechend – gut.

Familie mit ungewisser Zukunft: Njazi und Valdete Qaushi mit Sohn Ejnar (2) und den Zwillingen Edris und Elirjon im St.-Elisabeth-Hospital. Dank Spenden der Gütersloher steht die nötigste Ausrüstung wie beispielsweise ein zweisitziger Kinderwagen schon bereit.

Die Umstände: Das sind die Flucht aus Albanien, eine Odyssee durch Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland, zuletzt die Unterbringung in der Sporthalle in Friedrichsdorf und dann – als es nicht mehr anders ging – die Entbindung per Kaiserschnitt im St.-Elisabeth-Hospital. Das ist die Kurzform dessen, was die Familie, zu der auch Vater Njazi Qaushi (29) und der zweijährige Ejnar gehören, in den vergangenen Monaten durchgemacht hat.

Die Eltern sprechen weder Deutsch noch Englisch, eine Verständigung ist nur mit einem Dolmetscher möglich. Er übersetzt, dass das Paar sich in seiner Heimat bedroht fühlte und auf ein besseres Leben in Deutschland hofft. Die Bedrohung resultiere aus einer Familienfehde. Es fällt auch das Wort „Blutrache“. Was sie in Deutschland erwarten würde, davon hatten sie nach eigenen Worten keine Vorstellung.

Mit dem Schiff setzten die Albaner nach Italien über, von wo aus sie per Bus nach Deutschland gelangten. Vor drei Monaten meldeten sie sich in Dortmund und stellten ihren Asylantrag. Seitdem hätten sie nichts mehr davon gehört. Stattdessen wurden sie nach Essen, von dort nach Halberstadt und dann nach Bielefeld umquartiert. Da war Valdete Qaushi schon hochschwanger. Allein in Bielefeld seien sie in drei verschiedenen Sporthallen gewesen. Seit dem 23. Juli lebte die da noch dreiköpfige Familie in Friedrichsdorf in der zur Notunterkunft hergerichteten Sporthalle.

Valdete Qaushi hofft nach eigenen Worten, dass ihnen der deutsche Staat entgegenkomme und sie ihren Kindern ein sicheres und freies Leben bieten könne. Sie wollten niemandem zur Last fallen, ihr Mann könne sofort anfangen zu arbeiten, wenn er denn dürfe – und Steuern zahlen.

Njazi Qaushi hat in Albanien acht Jahre die Schule besucht, aber keine Ausbildung. Geld verdiente er als Taxifahrer mit eigenem Auto, übersetzt der Dolmetscher. Seine Frau hat nach dem Besuch der Schule als Näherin gearbeitet. Großeltern und Geschwister leben in Albanien. In Deutschland hat das Paar weder Verwandte noch Freunde. Nur die Menschen, die sie in den Unterkünften kennengelernt hätten.

Die Unterbringung in Friedrichsdorf, wo Männer von ihren Familien getrennt seien, empfinde sie als belastend, sagt Valdete Qaushi, während sie ihre Zwillinge im Arm wiegt. Elirjon war bei der Geburt etwas kräftiger. Er wog 2750 Gramm, sein Bruder Edris 2280. Erwartet wurden sie erst in zweieinhalb Wochen.

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