Flughafen spaltet Stadt und Region



Gütersloh (din) - Am Status des Flughafens an der Marienfelder Straße hat sich seit 2003 nichts geändert. Gleichwohl haben der Unternehmerverband und die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) am Freitag in einer Stellungnahme gefordert, die Option den Geschäftsreiseverkehr offenzuhalten.

Bis 2003 starteten Geschäftsreisende vom Flugfeld an der Marienfelder Straße. Seither fliegen dort nur Militärhubschrauber. Bild: Dinkels

Anlass war die Positionierung der Gütersloher CDU. Sie hat sich intern schon im November vom Flughafen verabschiedet – um den Kopf freizubekommen für alternative Lösungen, wie Fraktionschef Heiner Kollmeyer der „Glocke“ sagte.

Zu den Gründen zählten die „sehr hohen Kosten“, die bei einer Reaktivierung zu stemmen seien, sagte Kollmeyer. Das sind 14 bis 15 Millionen für die Infrastruktur und gut 1,8 Millionen Euro Betriebskosten bei Einnahmen von rund 400 000 Euro pro Jahr. Die Stadt könne und wolle das nicht übernehmen, der Kreis wohl auch nicht, und von anderen gebe es keine Signale. Außerdem gebe es in der Nachbarschaft mit Paderborn/Lippstadt, Münster/Osnabrück und Windelsbleiche gute Ausweichmöglichkeiten.

Für den Flughafen gebe es interessante alternative Nutzungskonzepte von Gewerbe über einen Energiepark bis zur Nutzung der Emsauen als Ausgleichsflächen für Baugebiete. Schließlich gebe es in Gütersloh keine politische Mehrheit für die Reaktivierung. Davon unbenommen erklärte Kollmeyer: „Wir sehen zurzeit überhaupt keinen Handlungsbedarf.“

Unternehmerverband und IHK erklären: „Für die Unternehmen, Großunternehmen wie auch Mittelständler, spielt die schnelle und kostengünstige Geschäftsflugverkehrsanbindung, die Erreichbarkeit der Kunden und ein effizienter und gut funktionierender Mitarbeitereinsatz im nationalen und internationalen Geschäft eine zunehmend wichtige Rolle.“ Die Region müsse alle Wettbewerbsvorteile nutzen und dürfe nicht auf Optionen eines gut funktionierenden Geschäftsflugreiseverkehrs verzichten.

Hintergrund

Die Flughafen Gütersloh GmbH besteht auch nach der Einstellung des Geschäftsflugbetriebs im Oktober 2003 fort. Beteiligt sind außer dem Kreis und der Stadt Gütersloh Rheda-Wiedenbrück, Verl, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz sowie eine Reihe von Firmen aus der Region, darunter die Reinhard Mohn GmbH, Miele, Claas, Gerry Weber, Frankenfeld und andere. Sitz ist derzeit das Kreishaus, die Akten werden in einem angemieteten Büro am Flughafen Paderborn geführt. Die Genehmigung für den Flugbetrieb besteht fort. Erlaubt sind 3500 Starts und Landungen pro Jahr mit Flugzeugen bis 20 zu Tonnen.

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