Forum ist Anlaufstelle für Menschen in Not



Ahlen (det) - Mary Höckelmann hat einen großen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir das Forum gegen Armut nicht mehr bräuchten.“ Doch das sei natürlich Utopie, stellt die 58-Jährige zugleich fest, nicht zuletzt mit Hinweis auf die mehr als 1000 Klienten, die in der Einrichtung betreut werden.

Mary Höckelmann und Dieter Schroth (v. l.) haben die vergangenen zehn Jahre des Forums gegen Armut sowie das Wirken von Johannes Höckelmann und Horst Inderwiedenstraße im Gespräch mit dem „AT“ noch einmal Revue passieren lassen.

Seit einem Jahrzehnt ist das Forum gegen Armut Anlaufstelle für Menschen in Not. „Und die Zahl der Bedürftigen wird nicht kleiner“, weiß Kassierer Dieter Schroth (65) aus Erfahrung. Er gehört mit zu den Gründungsvätern und hat viele Höhen, aber auch einige Rückschläge an vorderster Front miterlebt.

Noch gut erinnert er sich an die Anfänge der Einrichtung. Vorläufer sei das „Ökumenische Forum“ gewesen, das seinerzeit an der Nordstraße 24 beheimatet gewesen sei, sagt er. Dort hätten schon Diakon Horst Inderwiedenstraße und Johannes Höckelmann (beide mittlerweile verstorben) mitgearbeitet. „Aber irgendwie haben sich die Katholen und Evangelen nicht so recht vertragen“, vermutet Schroth. Daher sei das Projekt 2007 beendet worden.

Doch Inderwiedenstraße und Höckelmann hätten sich damit nicht abfinden wollen. Für sie hätte sofort festgestanden: „Es muss weitergehen“. Und so seien die beiden mit Elisabeth Hüser und ihm im Barthelhof zusammengekommen, erinnert sich Dieter Schroth recht lebhaft an die damalige Zeit. „Ratz fatz“ sei die Idee entstanden, das Forum gegen Armut zu gründen und im Keller von Horst Inderwiedenstraße am Alten Hof 6 – gegenüber dem Cinema Ahlen – weiterzumachen.

„Natürlich hätten wir gerne sofort etwas Größeres angemietet“, so Schroth, aber das sei schwierig gewesen. Zum einen sei die Klientel nicht sehr mobil gewesen – „deswegen konnten wir nicht an den Ortsrand“ –, zum anderen habe es in der Innenstadt zunächst keinen Vermieter gegeben, der dafür seine Räume angeboten habe.

„Aber dann hatten wir doch Glück“, so Schroth. Das Ehepaar Borgschulte habe eine soziale Ader gehabt und ihre Räume an der Rosenstraße 2 zur Verfügung gestellt. „Sie sind das Risiko eingegangen und haben dem Forum vertraut“, lobt Mary Höckelmann das vorbildliche Engagement.

Fanden sich im Keller von Inderwiedenstraße schon 50 bis 60 Bedürftige regelmäßig ein, so schnellte die Zahl der Klienten bei der Eröffnung der Forums an der Rosenstraße auf 300 notleidenende Mitbürger hoch. „Plötzlich waren es mehr als 1000“, so Schroth, davon anfangs rund 400 unter 18 Jahren.

„Die Armut wird nicht weniger“

Der Ansturm an der Rosenstraße 2 wäre nicht zu bewältigen gewesen, wenn sich nicht zahlreiche ehrenamtliche Kräfte zur Verfügung gestellt hätten, macht Schroth deutlich. Bei der Werbung von weiteren Helfern habe sich Inderwiedenstraße besonders hervorgetan, sagt der Kassierer. „In einer Messe hat er für das Forum geworben, und schon standen 25 Frauen bereit.“

Von Anfang an sei das Forum nicht nur Treffpunkt und Café gewesen, so Schroth. Vielmehr seien die Menschen direkt unterstützt worden. Ob Hilfe bei Anträgen oder Behördengängen, immer habe jemand den Bedürftigen zur Seite gestanden. „In Sachen Hartz IV war mein Mann irgendwann fitter als mancher Mitarbeiter der Behörde“, merkt Mary Höckelmann an.

Erschreckend ist für die 58-Jährige, dass sich aktuell immer mehr Rentner beim Forum einfinden. „Altersarmut ist ein großes Thema“, sagt sie. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass auch viele Jugendliche obdachlos sein. „Die fallen nur nicht auf, weil sie für ein Paar Tage immer irgendwo unterkommen.“

Direkt in die Fußstapfen ihres verstorbenen Mannes sei sie nicht getreten, macht Mary Höckelmann deutlich. „Johannes war fünf Tage die Woche und immer mehr als acht Stunden ehrenamtlich im Einsatz für das Forum“, sagt sie. Sie springe nur ein, wenn es mal eng werde. Mehr treffe das auf ihren Sohn Daniel zu. Der komme ganz nach dem Vater und setze sich ebenfalls unermüdlich für Menschen in Not ein – „mittlerweile beruflich“.

Der Tod von Johannes Höckelmann vor drei Jahren hat bei den Mitarbeitern des Forums ein tiefes Loch hinterlassen. Damals kam erstmals die Idee auf, die Räume an der Rosenstraße umzubenennen in „Johannes-Höckelmann-Haus“. Noch ist das nicht geschehen, aber nach Meinung von Schroth wäre die Jubiläumsfeier dafür ein schöner Anlass.

Ansonsten wünscht sich der Kassierer, dass sich noch mehr Menschen ehrenamtlich engagieren. „Die Belastung unserer Helfer hat die Schmerzgrenze erreicht“, sagt er. Jede weitere Hand sei hilfreich. Dazu komme noch, dass dringend weitere Spenden benötigt werden. „Die Armut wird nicht weniger.“

Ausführlicher Bericht in der „AT“-Ausgabe vom 25. August.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.