Freispruch, aber Einweisung in Forensik



Telgte / Münster (mm) - Freispruch wegen mangelnder Schuldfähigkeit, aber Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik. So lautet das Urteil der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichtes in Münster gegen einen 39-jährigen Mann aus Telgter.

Im Prozess gegen einen Telgter ist das urteil gesprochen worden.

Die zunächst unbefristete Einweisung in die Forensik hatten zwei psychiatrische Gutachter empfohlen, weil der Telgter für die Allgemeinheit gefährlich sei. Die Staatsanwältin sah die Vorwürfe gegen den Angeklagten, unter anderem Raub, räuberische Erpressung, Bedrohung und versuchte gefährliche Körperverletzung, als erwiesen an. Die Anklagepunkt hatte der Mann bereits zu Beginn des Prozesses weitgehend eingeräumt. Da er die Taten aber aufgrund einer paranoiden Schizophrenie begangen habe, beantragte die Staatsanwältin einen Freispruch. Allerdings fehle ihm die Einsicht in seine seelische Krankheit. Zusammen mit seiner Drogensucht mache ihn das gefährlich und lasse auch künftig Gewaltausbrüche gegen Menschen befürchten.

Die Verteidigerin des 39-Jährigen schloss sich der Staatsanwältin im Wesentlichen an. Sie sprach die Hoffnung aus, dass eine Therapie im psychiatrischen Krankenhaus ihrem Mandanten helfen und er eines Tages ein strukturiertes Leben führen könne.

eit Ende November 2019 hatte die Strafkammer wegen einer Reihe von Taten gegen den Telgter verhandelt. Im Mittelpunkt stand ein Amoklauf am 15. Juli 2018 an der städtischen Unterkunft am Kiebitzpohl, wo der Mann damals wohnte. Er verfolgte und bedrohte einen Mitbewohner mit einem Bolzenschneider. Er warf in unbekleidetem Zustand mit Messern um sich und schleuderte Möbel aus seinem Zimmerfenster. Er beleidigte Polizisten und drohte einer Beamtin, sie von Kopf bis Fuß aufzuschlitzen. Erst ein Sondereinsatzkommando der Polizei konnte ihn überwältigen. Dies alles und weitere Taten verübte der gebürtige Telgter, der als elfjähriges Kind zum ersten Mal Cannabis geraucht hatte, unter dem Eindruck seiner Psychosen. Er steigerte sich in den Wahn hinein, dass ihn ein Telgter Drogenkartell verfolge.

Neben etlichen Gefängnisaufenthalten wurde der Mann auch mehrfach in psychiatrische Krankenhäuser eingewiesen. Gefürchtet war er im Telgter Rochus-Hospital. Wenn er dort angekündigt war, so die Staatsanwältin, standen 15 Pfleger bereit, um ihn zu bändigen. Derzeit lebt der 39-Jährige in der forensischen Klinik in Eickelborn.

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