Freiwillige gesucht für Cannabis-Studie



Münster (kut). Die Regelungen zum Gebrauch von Cannabis zu medizinischen Zwecken sind gelockert. Wer aber Cannabis zu Genusszwecken konsumiert, muss mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Vor diesem Hintergrund soll ein Forschungsprojekt in Münster die Folgen einer kontrollierten Einnahme von Cannabis untersuchen.

Für ein Forschungsprojekt werden in Münster 200 Freiwillige gesucht, die ein Jahr lang kostenlos mit zwei Gramm Cannabis pro Woche versorgt werden. Die Studie soll zeigen, wie sich der Konsum gesundheitlich auswirkt.

Die Stadt hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einen entsprechenden Antrag gestellt. In jüngster Zeit sei in der Bevölkerung ein Bewusstseinswandel erkennbar geworden, „der den Wunsch nach einem rationaleren Ansatz zur Weiterentwicklung der Rechtslage erkennen lässt“, sagen Dr. Norbert Schulze Kalthoff und Merle Heitkötter vom Gesundheitsamt in Münster. Sie haben die Studie konzipiert und werden sie leiten. Sie bewerten die Risiken für gesundheitliche Schäden als sehr hoch, wenn Cannabis in schlechter Qualität auf dem illegalen Markt beschafft wird. Dem Antrag der Stadt liegt ein Ratsbeschluss zugrunde.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema soll Ängste in der Bevölkerung abbauen und einen Beitrag zur gesundheits- und ordnungspolitischen Diskussion um die Einordnung von Cannabis liefern, heißt es. Schon eine Konferenz im Dezember 2016 zur „verantwortungsvollen Regulierung von Cannabis auf kommunaler Ebene“ war auf großes Interesse bei den Münsteranern gestoßen. Per Zufalls-Stichproben aus dem Einwohnermelderegister sollen 2000 Münsteraner im Alter von 21 bis 63 Jahren kontaktiert werden, um 200 Probanden für die Studie zu gewinnen. Ein Jahr lang sollen sie einmal pro Woche kostenlos bis zu zwei Gramm Cannabis erhalten – bezogen über die beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angesiedelte Cannabisagentur.

 Der Verein der Hanffreunde Münster hatte bereits 2014 ein Modellprojekt angeregt. „Wir sind erfreut über den Schritt“, kommentierte Sprecher Micha Greif gestern den städtischen Vorstoß. Kostenlos sollte Cannabis aber nicht abgegeben werden. „Wenn die Stadt Freibier ausgibt, wird auch mehr Alkohol getrunken.“ So verzerre man Forschungsergebnisse. Bei einer Gratisabgabe steige zudem das Risiko, dass Cannabis unter der Hand weiterverkauft werde.

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