Friedhof eine aussterbende Spezies?



Warendorf (pw) -  Immer mehr alte Grabstätten, die nur noch mit Rindenmulch abgedeckt sind, stören das Bild auf den Friedhöfen. „Kein schöner Anblick“ meint Bürger Fritz Schwitzer , und er beschwerte sich beim Bürgermeister. Tenor: Wird der Friedhof als eine aussterbende Spezies vernachlässigt?

Immer mehr Gräber mit abgelaufenen Nutzungsrechten gibt es auf den städtischen Friedhöfen. Zurzeit sind es 320 an der Zahl. Die Friedhofsgärtnerei will sie künftig mit Bodendeckern bepflanzen.

Es sind Grabstellen, bei denen Nutzungsrechte (die „Ruhezeit“ ist laut Satzung festgelegt auf 30 Jahre) abgelaufen sind. Und wenn die Nachfahren der dort Beigesetzten die Nutzungsrechte nicht verlängern, kommen die kommunalen Friedhofsgärtner, ebnen die Flächen ein, entfernen Grabsteine und sonstige Utensilien wie Grablampen, und am Ende kommen die berühmten Holzhackschnitzel darauf. „Das ist nicht neu“, verweist der für die Friedhofsgärtnerei verantwortliche Leiter des Städtischen Baubetriebshofs, Hubert Schulze Althoff, darauf, dass dies ein übliches Vorgehen sei. Selbstverständlich könnten diese Grabstellen dann neu belegt werden.

Nur, und hier zeigt sich das Phänomen, das Kritiker Schwitzer beklagt: immer seltener werden klassische Wahlgräber nachgefragt. Die Folge: Zurzeit sind nicht weniger als 320 Grabstellen, die für eine oder mehrere Beisetzungen (auch übrigens für Urnen) geeignet wären,  auf den städtischen Friedhöfen in Warendorf, Einen und Hoetmar unbelegt. Genauer: nur mit Rindenmulch bedeckt. „Diese Zahl liegt deutlich höher als in früheren Jahren, und es werden noch mehr“, räumt Schulze Althoff ein. Und er weiß auch, dass die Holzhackschnitzelmethode nicht die eleganteste ist. „Wir überlegen zurzeit, die Grabstellen mit Bodendeckern zu bepflanzen. Aber ich muss auch an die Kosten denken“, verweist er auf den erhöhten Pflanz- und Pflegeaufwand.

Der müsste auf die gerade erst angepassten Friedhofsgebühren umgelegt werden. Und das wäre wiederum auch nicht der Sache dienlich, denn höhere Friedhofsgebühren würden den ohnehin festzustellenden Trend weg von den alten Doppel- und Familiengräbern hin zu mehr alternativen Bestattungsformen eher noch befördern.

Ausführlicher Bericht in der Warendorfer Lokalausgabe der „Glocke“ vom 23. Juli.

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