Fünf Glocken reisen nach Kroatien



Beckum (scl) - Seit dem Bau der Martinskirche 1958 war ihr fünfstimmiges Geläut ein akustisches Wahrzeichen Beckums. Mit Profanierung des Gotteshauses 2012 verstummten die Glocken an der Hammer Straße. Am Donnerstag wurden sie endgültig vom ehemaligen Kirchturm herabgeholt.

In der ehemaligen Martinskirche warten die Glocken auf ihren Abtransport.

Ein Spezialkran mit 40-Meter-Ausleger brachte die bronzenen Schwergewichte unbeschadet zu Boden. „Die größte ist die Christusglocke. Sie bringt 1,2 Tonnen auf die Waage“, berichtete Klaus Fernkorn, im Kirchenvorstand für Bauangelegenheiten zuständig. Entsprechend ordentlich ins Schwitzen gerieten die Helfer, die die auf einer Holzpalette abgestellte Glocke per Hubwagen ins Innere der Martinskirche bugsierten. Dort steht sie nun im Kreise ihrer vier Schwestern, die den Heiligen  Martin,  Anna,  Maria und Ida geweiht sind. Die kleineren Exemplare bringen immerhin auch zwischen 820 und 220 Kilo auf die Waage, so dass insgesamt mehr als drei Tonnen Gewicht hier auf ihren Abtransport warten.

Eigentlich, so erinnert sich Fernkorn, sollte das Geläut bereits vor etwa fünf Jahren, also noch zur Amtszeit von Propst Johannes Mecking, aus dem Turm ausgebaut werden. Das erwies sich seinerzeit aber als technisch hoch problematisch, weil zahlreiche Mobilfunk-Antennen im Turm den Zugang zu den Glocken erschwerten. So gerieten sie zunächst wieder in Vergessenheit. Bis Jürgen Plagwitz, ebenfalls Mitglied des Kirchenvorstands, Kontakte zu Interessenten knüpfte, die Verwendung für das ausgediente Quintett haben.

Die Pfarrgemeinde St. Leopold Bogdan Mandic im kroatischen Virovitica hat den Neubau ihrer Kirche abgeschlossen und freute sich über die Offerte aus Deutschland. Ein Besuch in Beckum, bei dem das Geläut zur Demonstration erklang, überzeugte die Gemeinde um Pfarrer Ivan Rontevic. Schnell war die Vereinbarung mit der St. Stephanus-Gemeinde unter Dach und Fach: Die Beckumer spenden die Glocken den Kroaten, die ihrerseits für Ausbau und Transport aufkommen.

Das hat für die Propsteigemeinde finanzielle Vorteile. Denn gemäß Kaufvertrag über das Gelände der Martinskirche hätte die Gemeinde so oder so den Ausbau der Glocken gewährleisten müssen. Eine Aufgabe, die übrigens die Firma Diegner und Schade übernommen hat, eben jene, die sie vor Jahrzehnten auch installierte. Die Kosten dafür bleiben der Pfarrei nun ebenso erspart wie die Lösung des Problems, eine würdige Verwendung für die Glocken zu finden.

In der kommenden Woche wird der Kran erneut eingesetzt, um den stählernen Glockenstuhl auszubauen. Gemeinsam mit ihm werden übrigens einige Kirchenbänke, Lampen aus dem Schiff der Martinskirche sowie die beiden massiv-eichenen Beichtstühle des ehemaligen Beckumer Gotteshauses die Reise nach Kroatien antreten. Die fest verleimten Beichtstühle stellen die Helfer um Hausmeister Jürgen Wessel allerdings vor ein weiteres Problem: Keine Tür der Kirche ist breit genug, um sie ins Freie zu schaffen. Die Lösung: Nächste Woche wird ein ausreichend großes Loch in die südliche Außenwand gebrochen. Denn die muss sowieso weichen, wenn die Kirche wie geplant zu einem Kindergarten umgebaut wird.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.