Funde belegen die Bedeutung Warendorfs



Warendorf (fen) - 1500 Einzelfunde: Das ist das Ergebnis der Archäologen auf dem Marktplatz. Diese Zahl stellte Baudirektor Peter Pesch am Donnerstag vor. Die Ausgrabungen zeigten, wie die Menschen am Markt im Mittelalter gelebt hätten, teilt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit.

Eine spätmittelalterliche Wegepflasterung gehörte zu den zahlreichen Funden der Archäologen auf dem Warendorfer Marktplatz.

Im Jahr 1277 ist der Marktplatz zum ersten Mal in Urkunden erwähnt worden. Will man etwas über die vorherige, schriftlose Zeit erfahren, ist man somit auf Zeugnisse angewiesen, die die Archäologen zutage fördern. Und davon gab es einige – die Experten hatten so viel Arbeit, dass dadurch die Bauarbeiten verzögert wurden. „Es wurde mindestens Material für zwei Doktorarbeiten gefunden“, sagte Pesch.

Eine 4,5 mal sechs Meter große Grube zählt zu den Funden aus der Zeit des Frühmittelalters (etwa 500-1050). „Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Grubenhaus“, erklärt der LWL. Dies seien Wohn- oder Werkstattgebäude, die in den Boden eingegraben worden seien.

Die Ausgrabungen haben teilweise nicht nur lokale, sondern auch deutschlandweite Bedeutung. Denn durch Warendorf führte die wichtige Fernstraße von Frankfurt nach Osnabrück, deren exakter Verlauf bislang nur vermutet werden konnte. „Mit den Warendorfer Marktplatzgrabungen liegen hierzu erstmals konkrete archäologische Anhaltspunkte vor.“ Eine Pflasterung aus dem 15. Jahrhundert ist entdeckt worden, und auch in den Jahrhunderten zuvor habe es ähnliche Wegebefestigungen gegeben. „Sie deuten auf die große Bedeutung Warendorfs als karolingische Neugründung während der Sachsenkriege Karls des Großen hin“, erläutert der LWL. Mit den Kriegen gegen die Sachsen (772-804) brachte der Franke Karl der Große das Christentum in die Region.

Einige unscheinbare Scherben belegen zudem, dass Warendorf im Hochmittelalter (1050-1250) in ein überregionales Handelsnetzwerk eingebunden war. Denn die Archäologen konnten die Scherben der sogenannten Pingsdorfer Keramik zuordnen, die vom 10. bis 12. Jahrhundert im Rheinland hergestellt wurde.

Bis Ende September werden die Straßen um den Markt untersucht. Die Arbeiten haben einen Mehraufwand von 70 000 Euro verursacht. Die Bezirksregierung habe bestätigt, dass diese Kosten förderfähig seien, sagte Pesch.

„Er wird sehr, sehr schön sein“

Passend zur Pferdenacht ist die Asphaltschicht auf den Marktplatz aufgebracht worden. „Vor dem Hintergrund des Mehraufwands [durch die archäologischen Arbeiten, d.Red.] haben wir es trotzdem geschafft, zwei wesentliche Zusagen einzuhalten: die Durchgängigkeit des Marktes zu Mariä Himmelfahrt und die Benutzbarkeit zur Pferdenacht“, sagte Baudirektor Peter Pesch. „Ich bin ein Stück weit stolz darauf und sehr froh, dass es so geklappt hat“, sagte er.

An der Straße Im Ort könne man derzeit bereits eine Idee davon bekommen, wie der Marktplatz künftig aussehen werde. „Wenn er fertig ist, wird er sehr, sehr schön sein und als Warendorfer Markt wiedererkannt werden.“ Pesch ist zuversichtlich, dass das Ziel erreicht werden könne, zum Weihnachtswäldchen einen Glühwein auf dem fertiggestellten Markt trinken zu können.

Abschlägig beschieden hat Pesch dagegen den Wunsch eines Anliegers, Bäume sowie den Marienbrunnen vor seinem Haus zu verlegen.

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