Gehörloser Pädagoge inspiriert Schüler



Münster (gl) - An der Münsterlandschule in Münster gibt es Klassen für hörgeschädigte Schüler. Das Besondere: Auch Lehrer Jahan Daschty ist hörgeschädigt. Moderne Technik aber macht es möglich, dass sich Schüler und Lehrer in den Unterrichtseinheiten an der Schule bestens verständigen können.

Heute ist Weltlehrertag. Der 33-jährige Jahan Daschty, der an der Münsterlandschule arbeitet, wehrt sich gegen das Klischee, Gehörlose seien minderbegabt.

„Wer kennt die Antwort?“, fragt Förderschullehrer Jahan Daschty. Lukas überlegt kurz, greift nach dem fingergroßen Mikro und spricht leise seine Antwort hinein. In den lautsprachorientierten Klassen der Münsterlandschule in Münster läuft der Unterricht über Signalübertragungsanlagen. Diese senden die Stimmen des Lehrers und der Schüler in Ultrakurzwellen an Aufsteckvorrichtungen in den Hörgeräten.

Lehrer wollte immer schon Vorbild für Jugendliche sein

Daschty ist wie seine Schüler hörgeschädigt. Auf dem Plan steht Englisch, obwohl Daschtys eigentliche Fächer Deutsch und Sozialwissenschaften sind, die er neben der Sonderpädagogik in Köln studiert und 2014 mit dem Referendariat an der Münsterlandschule beendet hat. Daschty ist selbst zur Förderschule gegangen. Heute ist er Inspiration für seine Schüler und motiviert sie zu außergewöhnlichen Projekten. Der 33-Jährige hatte früh eine Vorstellung davon, was er beruflich machen möchte: mit Jugendlichen arbeiten und ihnen mit seiner Höreinschränkung Vorbild sein.

Er selbst ist von Geburt an nahezu gehörlos und durch Hörgeräteunterstützung mit Lautsprache aufgewachsen. Mit 16 lernte er die Gebärdensprache, weil er sich mit seinen Freunden austauschen wollte. Vor sechs Jahren entschied er sich dann für eine Hörprothese, ein Cochlea-Implantat. Im Unterschied zu Hörgeräten, die die Lautstärke von Geräuschen erhöhen, übernehmen die Implantate die Funktion der beschädigten Teile des Innenohrs. Es war ihm so möglich, das Hörvermögen in Ansätzen wieder herzustellen.

Digital Medien kommen vermehr zum Einsatz

„Es gibt leider das Vorurteil, dass Gehörlose minderbegabt seien. Aber ein Gehörloser kann genauso gute Lösungsansätze haben wie jemand, der hört“, sagt der Lehrer. Mancher Schulstoff würde von den Schülern nur etwas kleinschrittiger erarbeitet. Der Unterricht in der Münsterlandschule findet mit gehörlosen, gebärdensprachorientierten Kindern und Jugendlichen in deutscher Gebärdensprache statt. In Klassen mit lautsprachorientierten Schülern unterstützen lautsprachbegleitende Gebärden die Kommunikation.

Im Unterricht lässt der Pädagoge häufig digitale Medien zum Einsatz kommen, mit denen die Schüler experimentieren dürfen. Erst 2018 nahm eine Klasse an einem Wettbewerb teil, bei dem sie mit ihren selbstgemachten Videos den ersten Platz belegte. Neben der Gruppenarbeit baut der Lehrer aber auch Einzelarbeit ein. „Die Hörpausen während der Einzelarbeit können die Ohren der Schüler zwischendurch akustisch etwas entlasten.“

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