Gerhard Dunkel, der „Rainbow Warrior“



Gütersloh (dop) -Das Schiff ist legendär: Mit der „Rainbow „Warrior“ sind die „Greenpeace“-Aktivisten schon über alle Weltmeere gefahren.  Am Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, ist im Gütersloher  Bambi-Kino ein Dokumentarfilm  dazu zu sehen.  „Die Glocke“ sprach mit „Greenpeace“-Mitglied Gerhard Dunkel.

Gerhard Dunkel gilt als erstes deutsches Greenpeace-Mitglied. Im Gütersloher Bamibi-Kino stellt er sich am Freitag, 21. Oktober, den Fragen Interessenten.

 Er wird sich im Anschluss an den Film mit Interessenten zu einer Diskussionsrunde im Kino zusammensetzen.

„Die Glocke“: Herr Dunkel, an welchen Aktionen haben Sie teilgenommen?

Dunkel: 1980 im Mai bei der Blockade eines Bayer-Schiffs im Hafen von Rotterdam, um die Verklappung von Dünnsäure in die Nordsee zu verhindern. Im Juni bei der Kampagne gegen den kommerziellen Walfang Spaniens, und im Oktober bei der Blockade eines Dünnsäure verklappenden Schiffs in Nordenham. Das war die erste Greenpeace-Aktion in Deutschland.

„Die Glocke“: Welche Gefahrenmomente sind Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Dunkel: Das Kreuzen mit dem Schlauchboot vor und neben dem Walfangschiff bei hohem Seegang während der Spanien-Kampagne. Und die Besetzung der „Rainbow Warrior“ durch spanische Marinesoldaten.

„Die Glocke“: Welche Momente haben Sie frustriert?

Dunkel: Nach der Spanien-Kampagne wurde die „Rainbow Warrior“ in La Coruna festgehalten. Dabei wollten wir doch zum britischen Schiff „Gem“. Dessen Besatzung warf einfach Fässer mit nuklearem Abfall in die Biskaya. Wütend machte und macht mich auch die Tatsache, dass Firmen Walfleisch in Hunde- und Katzenfutter verwerten, das ansonsten nicht abgesetzt werden kann und dass trotzdem die Jagd auf Meeressäuger weiter betrieben wird. Und dann natürlich das Versenken der „Rainbow Warrior“ 1985 im Hafen von Auckland/Neuseeland durch den französischen Geheimdienst. Dabei kam ein Fotograf ums Leben. Das war ein Schock für uns alle.

„Die Glocke“: Über welche Erfolge haben Sie sich gefreut?

 Dunkel: Über das Walfang-Moratorium der Internationalen Walfang Kommission (IWC) 1986, das später leider ausgehebelt wurde wegen angeblicher Forschungen seitens Japans, Norwegens und Islands. Dann über das Ende der Verklappung von Dünnsäure in die Nordsee 1989 und über den Antarktis-Schutzvertrag 1991, der 50 Jahre lang die Förderung mineralischer Rohstoffe dort verbietet.

„Die Glocke“: Greenpeace kämpft an vielen Fronten. Aber die Politik reagiert gar nicht oder wenn, viel zu spät.

„Rainbow Warrior“ – „Regenbogenkrieger“ war und ist der Name der Schiffe der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die „Rainbow Warrior I“ wurde 1985 vom französischen Geheimdienst bei einem Bombenanschlag versenkt. Die „Rainbow Warrior II“ war von 1989 bis 2011 im Besitz von Greenpeace, und die „Rainbow Warrior III“ wurde im Oktober 2011 in Betrieb genommen. Ihr Heimathafen ist Amsterdam. Zudem bezeichnen sich die Aktivisten der Organisation selbst gelegentlich als „Rainbow Warriors“. Der Name entstammt einer Legende, die erstmals 1962 im Buch „Warriors of the Rainbow“ von William Willoya und Vinson Brown veröffentlicht wurde. Dort prophezeite eine indianische Frau einem Jungen, wenn die Erde verwüstet werde und die Tiere sterben, würde ein neuer Stamm auf die Welt kommen, der aus Menschen vieler Farben, Klassen und Glaubensrichtungen bestünde. Diese würden die Erde wieder grün machen und Krieger des Regenbogens genannt werden.

Natürlich bin ich frustriert, wenn etwas, das ich für dringend halte, zu langsam geht oder gar nichts passiert. Ich frage mich, ob die Lobbyisten in Wirtschaft und Politik weniger ignorant wären, wenn sie selber betroffen wären, statt um Profite zulasten anderer Lebewesen und auf Kosten kommender Generationen zu feilschen. Haben die alle keine Kinder?

„Die Glocke“: Was kann jeder tun für eine bessere Umwelt?

 Dunkel: Ich halte mich nicht für befugt, anderen Handlungsanweisungen zu geben. Das kann schnell für Unmut sorgen. Aber jeder kann aktiv werden oder zumindest Organisationen wie Greenpeace unterstützen.

„Die Glocke“: Inwieweit haben Sie sich verändert?

Dunkel: Ich rege mich immer noch über die unglaubliche Ignoranz und Untätigkeit von Verantwortlichen auf, die es in der Hand hätten, diesen Planeten lebenswert zu erhalten. Die meisten betonen stets ihr Bemühen um Nachhaltigkeit und Schutz, aber wie kann permanentes Wachstum Nachhaltigkeit oder Schutz für die Natur schaffen? Das erreicht man nur mit Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, der Bodenschätze, der Tiere, der Pflanzen und letztlich der ärmeren Menschen durch die reicheren.

 „Die Glocke“: Was bedauern Sie rückblickend am meisten?

Dass sich einige der „alten Kämpfer“ – meine Vorbilder – im Streit entzweit haben. Immerhin ist dadurch aber eine neue Organisation („Sea-Sepherd“) zum Schutz der Meeressäuger entstanden. Andere haben sich von den ursprünglichen Zielen distanziert, weil das besser bezahlt wurde. Na ja, es gibt auch bei Greenpeace keine Heiligen, sondern nur mehr oder weniger verantwortungsvolle Menschen.

Gerhard Dunkel gilt als erstes deutsches „Greenpeace“-Mitglied. Während eines Besuchs in Halifax, beim Landgang von einem Schiff der Bundesmarine, lernte er 1978 die Organisation kennen. Als Mitglied des Arbeitskreises Umweltschutz (AKU) Vlotho war er bereits eingebunden in die „Graswurzel“-Bewegung, die sich gegen die Nutzung der Atomkraft ohne sichere Endlager richtete. In Kanada wurde ihm klar, dass Umweltschutz international organisiert werden muss und für die öffentliche Aufmerksamkeit spektakuläre Aktionen hilfreich wären.

„Die Glocke“: Was wünschen Sie sich für Greenpeace?

 Dunkel: Konkret: dass die Aufklärung erfolgreich weitergeht und der Druck der öffentlichen Meinung zu sinnvollen Handlungen der Verantwortlichen führt. Generell: dass die Arbeit zu einer lebenswerten Umwelt beiträgt, in der auch die kommenden Generationen unbeschwert existieren können.

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