Gewalt an Frauen ein Schwerpunkt



Beckum (Kro) -  Gewalt an Frauen und Mädchen ist ein Problem, mit dem sich die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle Beckum und der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt bei ihren Beratungs- und Therapiegesprächen immer wieder auseinandersetzen müssen. Das sagt die Arbeitsbilanz aus.

Der neue Vorstand des Vereins „Frauen helfen Frauen“ Beckum: (v. l.) Heike Füchtenkamp, Birgit Bals-Teckentrup, Vorsitzende Gaby Trampe und Renate Feichtinger.

327 Frauen und Mädchen waren im vergangenen Jahr von Gewalt betroffen und suchten Hilfe in der Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“. Im Jahresbericht 2011, der jetzt vorgestellt wurde (wir berichteten aktuell) finden sich diese Zahlen schwarz auf weiß wieder. Birgitta Rennefeld, Leiterin der Frauenberatungsstelle, machte im Gespräch mit der „Glocke“ deutlich, dass in 209 Fällen eine Gewaltschutzberatung durchgeführt wurde. Physische Gewalt (188) und psychische Gewalt (229) waren ebenso auf der Tagesordnung wie Fälle von Zwangsheirat (14) oder Stalking (39).

Unverändert blieb die Zahl der Klientinnen mit gesundheitlichen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen mit 319 Fällen. Hier stehen die Bereiche Ängste (164), Depressionen (113) und PTBS (71) in der Bilanz. Mit beruflichen Problemen hatten 81 Frauen zu kämpfen. Die meisten der insgesamt 432 Klientinnen wohnen in Beckum. 194 der Frauen und Mädchen haben hier ihren Wohnort. Weitere Klientinnen kommen aus Oelde (78), Ahlen (74) und Ennigerloh (31). In Oelde wird weiterhin eine Außensprechstunde angeboten. In den Haushalten der betroffenen Frauen leben übrigens 443 Kinder.

Die meisten Klientinnen sind im Alter zwischen 26 und 50 Jahren (101 Frauen zwischen 26 und 40 Jahren. 116 zischen 41 und 50). Während 270 deutsche Frauen die Beratungsstelle aufsuchten, hatten 47 Deutsche einen Migrationshintergrund und 69 eine andere Staatsangehörigkeit.

Die Sicherung des Beratungs- und Therapieangebots wurde auch durch zahlreiche Spenden möglich. So konnten im Rahmen des „Raumpaten-Programms“ mehr als 100 Quadratmeter Fläche der Beratungsstelle finanziert werden. Hier kann pro Quadratmeter eine monatlicher Betrag in Höhe von fünf Euro gespendet werden. Der Spendentopf „Nur Mut“ kommt dagegen direkt den Frauen und Kindern zugute. Hier erreichte man im Vorjahr einen Betrag von 27 000 Euro.

Finanzierung ist gesichert

Die Frauenberatungsstelle und die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt erhalten Personal- und Sachkostenzuschüsse vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Kreis Warendorf, um die Gesamtkosten in Höhe von 170 511 Euro finanzieren zu können. Das Land hat im Vorjahr die Zuschüsse zu den Personalkosten erhöht (von 70 auf 85 Prozent) und erstmals eine Sachkostenpauschale in Höhe von 9000 Euro gezahlt. Somit flossen insgesamt 105 780 Euro nach Beckum. Der Kreis Warendorf förderte die geleistete Arbeit im Vorjahr mit 40 000 Euro.

Im Vorjahr blieb für den Verein „Frauen helfen Frauen“ ein Eigenanteil von 24 731 Euro zu finanzieren. Eine große Hilfe, diese Eigenmittel zu erzielen, war wieder die Unterstützung durch die Marianne-Blumenbecker-Stiftung. Hier fließen jährlich 10 000 Euro in die Beratungsarbeit. Eine Förderung durch die Energieversorgung Oelde hat dazu beigetragen, die Außensprechstunden in Oelde alle 14 Tage durchführen zu können.

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