Gründer setzen auf Pfandglas-System



Oelde (jahö) - Plastikmüll vermeiden – der Umwelt zuliebe. Dieser Gedanke bildet den Grundsatz des Berliner Start-ups Mehrwelt. „Deshalb verkaufen wir Lebensmittel in Pfandgläsern“, sagt Dominik Welslau. Der ehemalige Oelder ist zusammen mit Juliane Wagner Gründer des jungen Unternehmens.

Nudeln, Müsli oder Snacks – seit vergangener Woche sind die mit Lebensmittel gefüllten Pfandgläser des Start-ups Mehrwelt auch in Oelde erhältlich. Der ehemalige Oelder Dominik Welslau, Gründer des Unternehmens, lieferte die Waren bei Edeka Junkerkalefeld persönlich an.

Seit vergangener Woche stehen die Gläser in den ersten Geschäften, darunter auch in Oelde im Edeka Junkerkalefeld. Nudeln, Grundnahrungsmittel, Müsli und Cerealien oder Snacks – 20 Produkte in Bio-Qualität umfasst das Sortiment aktuell. Die 444 Gläser lieferte Welslau mit Unterstützung von Lewin Zumbansen persönlich an. 

„Unverpackt einzukaufen ist eine gute Idee, in der Umsetzung ist sie aber oftmals aufwändig“

In den vergangenen Jahren ist das Umweltbewusstsein bei den Menschen laut Welslau gestiegen. „Unverpackt einzukaufen ist eine gute Idee, in der Umsetzung ist sie aber oftmals aufwändig“, sagt der 29-Jährige. „Wir haben gedacht: Das muss einfacher gehen.“ 

Hintergrund

Gegründet wurde das Start-up-Unternehmen Mehrwelt Anfang dieses Jahres in Berlin von dem ehemaligen Oelder Dominik Welslau und Juliane Wagner (Bild). Zusammen bilden sie den Kern des Teams. „Wir sind allerdings in ein großes Netzwerk eingebettet und können uns auf Unterstützung von allen Seiten verlassen – vor allem auch von der Oetker-Gruppe“, sagt Wagner. Diese ist der Investor. So bestand die Möglichkeit, auf Expertenwissen der Radeberger-Gruppe zurückzugreifen, die langjährige Erfahrungen mit Mehrweg-Pfandsystemen besitzt. Dass der Umweltschutz ein hochaktuelles Thema sei, zeige nicht zuletzt die Fridays-for-Future-Bewegung, sagt Welslau. Doch in den Supermärkten ist laut Unternehmensmitteilung bisher wenig passiert. So gehe aus einer Statistik des Umweltbundesamts hervor, dass die Verpackungsabfallmenge im Jahr 2017 mit 226,5 Kilogramm pro Kopf einen neuen Höchstwert erreicht hat.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.mehrwelt.com.

Ab März 2019 entwickelten er und Juliane Wagner im Rahmen ihrer Arbeit bei Oetker Digital ein Geschäftskonzept. „Am Anfang standen Überlegungen, wie wir den Nachhaltigkeitsgedanken umsetzen können“, betont Wagner. Die beiden forschten, konstruierten Prototypen, für die sie verschiedene Materialien in Erwägung zogen, und führten Gespräche mit Kunden – unter anderem auf der Food-Week in Berlin. Dort sei die Idee gut angekommen. „Deshalb stand für uns anschließend fest: Wir verfolgen unser Vorhaben weiter.“ 

Glasbehälter die praktikabelste Lösung

Warum die Wahl auf Glasbehälter fiel? „Sie sind die praktikabelste Lösung“, erklärt Welslau. Zwar gebe es auch Mehrwegplastik. „Bei der Verwendung kommt es allerdings immer zur Migration, das heißt einzelne Plastikpartikel werden in das Produkt abgegeben.“ Dies galt es zu vermeiden. „Wenn wir schon eine umweltfreundliche Version auf den Markt bringen, dann soll die Idee konsequent beibehalten werden.“

Doch nicht nur die Themen Umwelt und Müllvermeidung lagen den Gründern bei der Entwicklung ihres Produkts am Herzen. „Auch wenn sie den Kern bilden, wollten wir den Kunden mit unserem Produkt einen Mehrwert liefern, der über diese Aspekte hinausgeht“, stellt Welslau heraus. So hätten beim Design des Produktes Funktion und Ästhetik eine zentrale Rolle gespielt. „Die Gläser sind wiederverschließbar und damit wesentlich praktischer als Tüten“, sagt der 29-Jährige. Zudem seien sie dekorativ.

Behälter am Pfandautomat

Auf ihre Mission, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, machen die Mehrwelt-Gründer auch durch die Gestaltung der Pfandgläser aufmerksam. „Zurück für die Zukunft“ ist auf den Etiketten zu lesen. „Kunden haben die Möglichkeit, die leeren Gläser bei ihrem nächsten Einkauf im Pfandautomaten zurückzugeben“, sagt Dominik Welslau. Dies funktioniere aktuell jedoch nur in jenen Supermärkten, die die Waren im Verkauf hätten. Anschließend würden die Behälter gereinigt und wiederverwendet. 

Zunächst werden die Produkte im Edeka Junkerkalefeld in Oelde sowie im Edeka Schenke in Wiedenbrück erhältlich sein. Langfristig sollen deutschlandweit weitere Märkte hinzukommen. „Wir tasten uns langsam voran“, betont Juliane Wagner. Auch beim Warenangebot bestünden prinzipiell Ergänzungsmöglichkeit. „Es ist vieles möglich.“

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.