Grundversorgung für 400 Flüchtlinge



Gütersloh (eff) -  Dienstagmittag kurz vor 12 Uhr: Anja Sygusch und ihre Mitarbeiter tragen etliche große Warmhaltekisten über die Außentreppe in die Friedrichsdorfer Sporthalle „Alte Ziegelei“. Sodann wird das Essen an die etwa 200 Flüchtlinge ausgegeben, die seit Freitag dort untergebracht sind.

Guten Appetit: Jacqueline Nikel und Bastian Ruchotzke von der Fleischerei Sygusch brachten am Dienstag Hühnerfrikassee mit Beilagen und Salat zu den Flüchtlingen in der „Alten Ziegelei“.

Es gibt Hühnerfrikassee mit Reis und Gemüse. Unter etlichen Bewerbern hatte sich der Friedrichsdorfer Betrieb Fleischerei und Catering Sygusch durchgesetzt und vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) den Zuschlag bekommen. „Wir liefern keinen Luxus, sondern sichern die Grundversorgung“, betont Anja Sygusch, die zusammen mit ihrem Mann Wolfgang den Familienbetrieb leitet.

Dreimal am Tag mehr als 400 Menschen zu beköstigen (am Mittwoch kommen die in der Spexarder Sporthalle untergebrachten Flüchtlinge dazu), davor macht sich der gewachsene Familienbetrieb mit seinen etwa 20 Zentral-Mitarbeitern nicht bange. Zum einen seien die Mitarbeiter „sehr hilfsbereit“ gewesen, so die Chefin, zum anderen zahlten sich die bewährten Verbindungen zu den Lieferanten aus der Region aus und drittens sei man gewohnt, an sieben Tagen in der Woche zu arbeiten. „Und die Sommerferien mit weniger Aufträgen entspannen die Lage“, sagt Anja Sygusch. Der tägliche Betrieb sei nicht gebremst, weil keine warme Abendlieferung zur Flüchtlingsunterkunft erfolge.

Vor Ort in der „Alten Ziegelei“ wirken vier ehrenamtliche Helfer bei der Essensausgabe mit, von denen einer in der Unterkunft bleibt, um Vorbereitungen zu treffen und hinterher zu säubern. Alle Freiwilligen müssen vor ihrem Einsatz eine Bescheinigung nach dem Infektionsschutzgesetz vorweisen. Hygiene sei das A und O, sagt die Chefin des EU-zertifizierten Betriebs Sygusch.

Essen gut - Stimmung gut

 Trotz der gesammelten Erfahrungen als Partyservice und als Speisenlieferant an verschiedene Betriebe hat die Fleischerei mit 50-jähriger Geschichte jetzt Neuland betreten. „Am Samstag und Sonntag haben wir erste Erfahrungen gesammelt und in einer Besprechung ausgewertet“, berichtet Anja Sygusch. „So haben wir zu Gemüse mehr Salat geliefert, weil ihn die Menschen auch in ihrer Heimat regelmäßig gegessen haben.“ Und die Unternehmerin ist überzeugt davon: „Das Essen wirkt sich auf die Stimmung in der Halle aus. Sie ist gut, wenn wir auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen.“ Zwar seien deren Augen derzeit noch größer als der Magen, aber es herrsche ein angenehm friedliches Essverhalten in der Sporthalle. „Außerdem helfen die Bewohner bereitwillig mit und reinigen die Tabletts.“

Wie die Sporthalle in Spexard auf die Flüchtlingsaufnahme vorbereitet wurde, lesen Sie in der gedruckten Mittwochs-Ausgabe.

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