Güterzug auf Seidenstraße nach Westfalen



Herne (td) - Von der Antike bis ins Mittelalter transportierten Händler Waren auf der Seidenstraße zwischen Orient und Okzident. China haucht der alten Karawanenroute neues Leben ein. Peking investiert 40 Milliarden Euro in die „Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“. Die erreicht auch Westfalen. 

11.300 Schienenkilometer hat ein Test-Güterzug an 17 Tagen zwischen dem chinesischem Lianyungang und dem westfälischen Herne zurückgelegt. 

Eine Verästelung des verzweigten Wegenetzes endet   am Container-Terminal (CTH) in Herne. Geht es nach Christian Theis (35), Geschäftsführer der CTH-Gesellschafterin Wanne-Herner Eisenbahn (WHE), dann rollen ab dem Jahr 2017 regelmäßig Züge zwischen Lianyungang im Nordosten Chinas und dem geografischen Mittelpunkt des Ruhrgebiets.

Für Theis ist der Plan mehr als eine gekonnte Marketing-Aktion – „ein absolut ernsthaftes Vorhaben“. Die Führung in Peking sucht Logistikdrehkreuze wie jenes zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal, denn die Metropol-Region Rhein-Ruhr mit ihren zehn Millionen Menschen scheint ein lohnenswertes Ziel zu sein für Waren „Made in China“.

Das kommunistische Land verfolgt mit seiner Initiative zur Belebung der Seidenstraße knallharte Interessen. Es geht um Rohstoffe für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, es geht um Gas und Öl für die energiehungrige Industrie, um Absatzmärkte für Produkte aus Fernost. WHE-Chef Theis will bis zum Jahresende Fakten sammeln, ob sich ein Zugverkehr zwischen Herne und der Hafenstadt am Gelben Meer rechnet: „Es müssen genügend Kunden auf diesen Zug buchen. Unter einer Auslastung von 70, 80 Prozent können wir kein Geld verdienen.“

Seine Aufgabe sei es, Exporteure und Importeure zu finden, denen ein ausgewogenes Verhältnis von Transportdauer und Kosten zusagt: Mit dem Schiff fährt der Container 40 Tage. Der Güterzug ist 17 Tage unterwegs, der Luftweg dauert 3 Tage. In der Mitte liegt der Bahnverkehr wie bei der Zeit auch beim Geld: „Wir sind günstiger als die Luftfracht, aber teurer als ein Seecontainer.“

WHE, die Abkürzung leuchtet weithin sichtbar auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes in roten Buchstaben. Damit das 1913 zur Blütezeit des Bergbaus gegründete Unternehmen zum Umschlag von Koks, Kohle und Stahl nicht wieder rote Zahlen schreibt, braucht es im Zeitalter erneuerbarer Energien frische Ideen. Solche wie den China-Zug. Als Beweis, wie wichtig der Logistiker und die Hafengesellschaft Lianyungang das Projekt nehmen, rollte im Juni ein Testzug im Terminal am Wanner Westhafen ein. 11 300 Schienenkilometer hatte die Güterkarawane in 17 Tagen zurückgelegt.

 

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