Haftstrafe für Missbrauch an Tochter



Rietberg (gdd) - Mit acht Jahren und neun Monaten Gefängnis hat das Bielefelder Landgericht am Mittwoch schweren sexuellen Missbrauch, sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen und die Beschaffung kinderpornografischer Daten aus dem Internet geahndet.

Weil er seine eigene Tochter missbraucht hat, ist ein Rietberger am Mittwoch verurteilt worden.

Mit gesenktem Kopf vernahm der 50 Jahre alte Angeklagte aus Rietberg, der sich acht Jahre lang an seinem einzigen Kind vergangen hatte, das Urteil. „Wir haben uns schwergetan“, sagte der Vorsitzende Richter des vierköpfigen Gremiums, „einen angemessenen Schuldausgleich im Zentrum dieses Verfahrens zu finden.“

 In der Urteilsbegründung heißt es, der pädophil und narzisstisch veranlagte Täter, von Beruf kaufmännischer Angestellter und seit seiner Festnahme Ende 2012 in U-Haft, habe ein „uneingeschränktes Geständnis“ abgelegt, seine leibliche Tochter seit ihrem ersten Lebensjahr „auf alle erdenklichen Weisen“ missbraucht zu haben.

Die Mutter des Mädchens habe von dem Treiben des Ehegatten nichts bemerkt, weder die „väterlichen Übergriffe“ noch die Sexbesessenheit des Mannes, der im Verlauf der 13-jährigen Ehe kaum noch Interesse an intimer Zweisamkeit mit der Gattin gezeigt habe. In der Freizeit, so ergab die Beweisaufnahme, suchte der Pädophile nächtelang regelmäßig im Internet nach kinderpornografischen Angeboten. Er sammelte auf PC und externen Festplatten rund 340 000 Dateien. Er habe „szenisch nachgestellt“, was ihm die „Scheinwelt“ des Internetpornomarkts vermittelte, indem er alles, was er mit seiner Tochter tat, filmte und abspeicherte.

 Als Fotos von dem Kind im Internet auftauchten, schlug die Polizei zu: Bei einer Razzia im Haus des angeblich ehrbaren Familienvaters wurden die Ermittler fündig. In 39 Fällen kam es angesichts des vom Angeklagten akribisch geordneten eindeutigen Beweismaterials zu Anklagen, 29 Fälle waren unwiderlegbar.

Die Einzelstrafen, die der Staatsanwalt auflistete, hätten summiert 65 Jahre Haft ergeben. Der Anklagevertreter hielt zehn Jahre Gefängnis wegen „massiver Schuld“ für angemessen. Die Vertreterin der Nebenklägerin sagte: „Seine Egozentrik und Rücksichtslosigkeit kannte keine Grenzen.“

Sein Mandant sei in eine „Zweitwelt abgedriftet“, betonte der Verteidiger: „Er sollte aber die Möglichkeit bekommen, in die Gesellschaft zurückzukehren.“ Vor dem Urteil zeigte sich der 50-Jährige reuig: „Ich habe meine perversen Vorstellungen über das Wohl meines Kindes gestellt. Das ist für mich jetzt unfassbar.“

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