Hamm will Problemhäuser rasch abreißen



Hamm (be) - Es ist ein Modell, das angesichts schrumpfender Bevölkerungszahlen und sich wandelnder Ansprüche Schule machen dürfte: In Hamm sollen drei Hochhäuser aus den 1970er-Jahren abgerissen werden. Die Stadt kauft die Immobilien und will die Maßnahme selbst in die Hand nehmen.

In drei Hochhausblocks (l.) in Hamm-Herringen wollte der Münsteraner Fleischkonzern Westfleisch insgesamt 300 rumänische Arbeiter einquartieren. Das verhinderte die Stadt Hamm. Sie will die Betonburgen nun kaufen, um sie dann abzureißen.

„Wir wollen verhindern, dass sich die drei Blocks zu einem sozialen Brennpunkt entwickeln“, sagt der Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Thomas Hunsteger-Petermann auf Anfrage der „Glocke“.

Hintergrund seiner Befürchtung: In die seit Jahren weitgehend leerstehenden Hochhäuser im Ortsteil Herringen im Westend der Stadt sollten seit Anfang des Jahres 300 Arbeiter aus Rumänien einziehen. Sie arbeiten für den Fleischkonzern Westfleisch in Münster. In jeder der 96 Wohnungen der drei Betonburgen sollten mindestens drei Rumänen zusammenleben.

Die Anwohner wehrten sich nachdrücklich und mit Erfolg dagegen. Sie fürchteten etwa Lärmbelästigungen und überquellende Mülleimer. Innerhalb kürzester Zeit regelte die Stadt Rechtsfragen, setzte sich mit Westfleisch an einen Tisch und verhinderte so die Nutzung des Wohnkomplexes durch den Konzern.

„Keine Entscheidung gegen Zuwanderer“

Hunsteger-Petermann betont, dass die Entscheidung für den Abriss der „Schrottimmobilie“ keine Entscheidung gegen die Zuwanderer sei: „Die Rumänen haben natürlich ein uneingeschränktes Recht, nach Hamm zu kommen.“ Eine zentrale Unterbringung mehrerer hundert Menschen sei aber sozialverträglich nicht möglich.

Dass eine Stadt Schrottimmobilien aufkaufe, um sie aus Gründen der Stadtentwicklung abzureißen, ist laut Hamms Oberbürgermeister NRW-weit eine Premiere. „Das zieht Kreise, zumindest im Ruhrgebiet“, sagte Hunsteger-Petermann. Denn hier hätten viele Städte verfügbaren billigen Wohnraum, der auch zu unerwünschten Belegungen genutzt werde.

„Wir wollen einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag für die Immobilie zahlen“, sagt der OB. In trockenen Tüchern sei der Verkauf freilich noch nicht. So müsse noch mit 15 Mietern und einer Wohnungseigentümerin in einem der drei Hochhäuser eine einvernehmliche Lösung getroffen werden „Wir hoffen auf eine Entscheidung bis zum März“.

Hunsteger-Petermann sieht das Geld für den Ankauf der Wohnblocks in Herringen gut angelegt: Einen Teil bekomme man durch die Vermarktung des 12.000 Quadratmeter großen Grundstücks wieder in die Kassen. Der Bebauungsplan werde geändert. Zudem werde es einen Investorenwettbewerb geben, sagte der OB. Das Grundstück liege zentral, eigne sich ideal für Einfamilienhäuser oder barrierefreie Seniorenwohnungen.

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