Hartmann-Atelier kommt unter den Hammer

Von Redaktion,

Rheda-Wiedenbrück (gad)- Ob ein um die Jahrhundertwende erbautes Künstlerhaus auf einem 1900-Quadratmeter-Grundstück mit einem Ausruf ab 485 000 Euro, eine Wanduhr aus dem 18. Jahrhundert ab 400 Euro, eine vom Künstler signierte Bronzeplakette ab 250 Euro oder ein Laubsauger ab 20 Euro – diese Auktion ist außergewöhnlich.

Mit dem Wiedenbrücker Hubert Hartmann ist 2006 der letzte Sakralbildhauer und Sakralraumgestalter der Wiedenbrücker Schule gestorben. Sein Atelier und Wohnhaus samt Inventar wird nun versteigert.

 Bei der Nachlass- und Immobilien-Versteigerung auf dem Grundstück des bekannten Bildhauers Hubert Hartmann aus Wiedenbrück kommen am 18. und 20. April in dem Anwesen Rietberger Straße 19 insgesamt 600 Gegenstände unter den Hammer. Durchgeführt wird die Auktion von dem Gütersloher Detlef Jentsch. Nicht aufgelistet sind in dem umfangreichen Katalog eine hölzerne Madonna sowie eine König-Christus- und Heilige-Elisabeth-Skulptur, das Bronzerelief „Die Schöpfung“ und ein Bronzekorpus, den Hubert Hartmann von sich selbst angefertigt hat. Diese Gegenstände wurden 2008 als Dauerleihgabe von der Ehefrau des Bildhauers, Mathilde Hartmann, dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg überlassen.

Zusammen mit zahlreichen Skizzen, Zeichnungen und Fotos aus der mehr als 50-jährigen Tätigkeit im Atelier Hartmann hat Marianne Hanhart aus Harsewinkel, die mit Antonius Everding und Annette Mai die Erbengemeinschaft bildet, am Dienstag dem Heimatverein die Dauerleihgaben geschenkt. „Wir haben niemals damit gerechnet, dass wir überhaupt etwas bekommen und nun hat sich alles ganz anders ergeben. Da war es natürlich mehr als Recht, dass auch der Heimatverein mit dieser Schenkung berücksichtigt wird“, erklärte Marianne Hanhart.

 Nach dem testamentarisch bestimmten Willen der Witwe Hartmanns, Mathilde Hartmann, die im Oktober 2014 starb, sollte der Heimatverein ursprünglich das ehrwürdige aber auch sanierungsbedürftige Backsteingebäude mitsamt dem Atelier und Inventar im Wiedenbrücker Zentrum erben, um es als Museum weiterzuführen. Weil dem Verein das finanzielle Risiko zu hoch war, die personellen Kapazitäten fehlten und auch vonseiten der Stadt keine Unterstützung zugesagt wurde, musste der Verein auf das Erbe verzichten. „Schweren Herzens“, wie der Vorsitzende Manfred Schumacher sagt. „Wir sind schon mit der Führung des Museums Wiedenbrücker Schule gut ausgelastet. Auf keinen Fall hätten wir noch eines können“, betont er.

Glücklich über Schenkung

Glücklich ist der Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg über die Schenkungen der Erben. Vor allem die Skizzen und Zeichnungen seien überaus wertvoll, um das künstlerische Wirken Hubert Hartmanns künftig noch besser erforschen zu können, sagt der Vorsitzende Manfred Schumacher. Die Dynastie Hartmann sei innerhalb der Wiedenbrücker Schule besonders bedeutend gewesen. Mit Spannung blicken die Beteiligten der Versteigerung der vielen Dokumentationen und künstlerischen Arbeiten Hartmanns entgegen. Interessant dürfte auch die Antwort auf die Frage sein, ob sich ein Käufer für das Haus finden wird und wie die etwaige Nutzung der Immobilie aussehen wird. „Umso näher der Auktionstermin nun rückt, umso nervöser werde ich. Schließlich bin ich schon als Kind bei Tante Mathilde und Onkel Hubert ein- und ausgegangen und verbinde deshalb viele schöne Erinnerungen mit dem Haus“, berichtet Marianne Hanhart. Ihre Mutter Anni Grawe war die Schwester von Mathilde Hartmann.

Vom Schnitzwerkzeug bis zur Büste

Zur Versteigerung kommen am Samstag und Montag, 18. und 20. April, Zinn- und Bronzearbeiten, originale Gipsfiguren, alte Leuchter, detailreiche Reliefs, sakrale Skulpturen und Holzbildhauerarbeiten. Auch Gemälde, Bilder und Büsten von Hubert Hartmann, Schnitzwerkzeuge, Gussformen sowie altes Silberbesteck, Porzellan, Gläser, alte Bücher, Bekleidung und Mobiliar aus dem 18. und 19. Jahrhundert aber auch Gartengeräte und natürlich das Anwesen an der Rietberger Straße werden versteigert.

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