Heimat gibt Halt in unruhiger Welt



Nottuln (gog) - Jeder hat sie und doch ist sie schwer greifbar: die Heimat. Was alles hinter diesem Begriff stecken kann, das hat der Themenabend „Biste Westfale, haste Heimat“ der Stiftung Westfalen-Initiative in Nottuln-Appelhülsen (Kreis Coesfeld) deutlich gemacht.

Gemeinsam auf dem Sofa der Stiftung Westfalen-Initiative im Bürgerzentrum Schulze Frenking in Nottuln-Appelhülsen (Kreis Coesfeld): NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) und Mithat Gedik aus Werl-Sönnern (Kreis Soest), der vor drei Jahren als erster muslimischer Schützenkönig bundesweit die Schlagzeilen beherrscht hatte.

Heimat wird umso wichtiger, je unruhiger und unübersichtlicher die Welt wird. Davon zeigte sich Nordrhein-Westfalens Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) überzeugt. Heimat gebe in einer immer digitaleren Welt Halt und Orientierung, sagte das Regierungsmitglied. Erfreulich sei, dass auch junge Leute „Heimat nicht mehr uncool finden“.

Das 900-Seelen-Dorf Sönnern, ein Stadtteil von Werl (Kreis Soest), ist und bleibt die Heimat von Mithat Gedik. „Hier ist meine Familie und hier sind wir sozial eingebunden“, sagte der Mann mit türkischen Wurzeln, der vor drei Jahren als erster muslimischer Schützenkönig bundesweit in die Schlagzeilen geraten war.

Gute Nachbarschaft fällt nicht vom Himmel

„Das ganze Dorf stand hinter mir“, erinnert sich Gedik an die Auseinandersetzung mit dem christlich geprägten Dachverband der Schützen, der letztlich klein beigeben musste.

Die gute Nachbarschaft im Dorf ist für Gedik wesentlich. Er arbeitet in Mannheim und kehrt am Wochenende immer wieder gern in seine Heimat Sönnern zurück.

Gute Nachbarschaft falle aber nicht vom Himmel, darum müsse man sich aktiv bemühen, sagte Judith Schäpers, die sich im Rahmen der „Regionale 2016“ im Westmünsterland mit dem Schwerpunktthema Willkommenskultur beschäftigte. Sie hat erlebt, dass es längst keine Selbstverständlichkeit für Neubürger ist, sich bei den Nachbarn vorzustellen. „Genau darauf wird aber in Westfalen großer Wert gelegt.“

Wer sich für Westfalen entscheidet, findet eine Heimat

Das Netz kann nach Ansicht von Schäpers Heimat nicht ersetzen: „Die persönliche Ansprache bleibt wichtig.“

Die Stiftung Westfalen-Initiative will die Region der drei westfälischen Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster zu einer modernen, lebenswerten Zukunftsregion entwickeln.

Gerade vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels in Westfalen hält es Stiftungsvorsitzender Dr. Karl-Heinrich Sümmermann für sehr wichtig, Menschen für die Region zu interessieren und ihnen Westfalen als Heimat schmackhaft zu machen. Sümmermann erweiterte in diesem Sinn zum Abschluss das Eingangsmotto des Themenabends: „Wirste Westfale, kriegste Heimat.“

Plattdeutsch auf Ortseingangstafeln

Zum richtigen Heimat- und Lebensgefühl in Westfalen gehört es, den Stadt- oder Gemeindenamen auf den Ortseingangsschildern zweisprachig in Hoch- und in Plattdeutsch wiederzugeben. Das hat der Leiter der Fachstelle für niederdeutsche Sprachpflege im Westfälischen Heimatbund, Ulrich Backmann (Haltern), beim Themenabend der Stiftung Westfalen-Initiative in Nottuln-Appelhülsen (Kreis Coesfeld) deutlich gemacht.

Mit entsprechenden Initiativen – wie es sie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein schon gibt – seien die Plattdeutsch-Experten bislang jedoch am Verkehrsministerium in Düsseldorf gescheitert, klagte Backmann der NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) sein Leid – und fand wohlwollendes Gehör bei dem Regierungsmitglied. Scharrenbach will sich im Landeskabinett dafür einsetzen, dass noch in der laufenden Legislaturperiode „plattdeutsche Untertitel auf Ortseingangsschildern“ in Westfalen möglich werden.

Aktuelle Bemühungen gibt es in der Gemeinde Rödinghausen (Kreis Herford), die gern ihren niederdeutschen Namen Ränghiusen zusätzlich auf der Ortstafel verewigt sehen möchte. In Detmold (Kreis Lippe) kämpfen Plattdeutsch-Freunde um den Zusatz Deppelt.

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