Hunderte demonstrieren auf B64


Warendorf (jor) - Für eine kurze Weile gehörte die Bundesstraße 64 zwischen Warendorf und Telgte am Sonntag einmal nicht den Autos und dem Schwerlastverkehr, sondern ganz allein den Radfahrern. Hunderte Menschen waren zur Demonstration gekommen. 

waren zum Startpunkt am Warendorfer Bahnhof gekommen, um mit einer Tour auf der B 64 gegen den geplanten Ausbau der Straße zu demonstrieren. Foto: Joe Rieder

Mehr als 320 Zweiräder – inklusive der Radler, die sich aus Beelen, Herzebrock und Clarholz auf den Weg gemacht hatten – zählte die Polizei am Warendorfer Bahnhof beim Start des Fahrradpulks anlässlich der Demonstration gegen den Bau der B64n. Zu der Demonstration aufgerufen hatten die Bürgerinitiativen entlang der B64, unter deren Dächern sich die Gegner des geplanten Ausbaus der Bundesstraße versammelt haben. 

Ideengeber war die „Tour de Natur“

Sabine Paltrinieri, aktives Mitglied in der Interessengemeinschaft Warendorf-Süd e.V. (IWS) und bei der Demo für den Abschnitt Warendorf-Telgte zuständig, erläuterte das Zustandekommen der Aktion. Ideengeber sei die „Tour de Natur“ gewesen, bei der alljährlich rund 100 umweltbewegte Menschen auf ökologische Problemgebiete hinweisen. 

Die diesjährige Fahrt, die die Aktivisten bis nach Garzweiler und zum Hambacher Forst führen wird, legt den Finger in die Wunden, die der geplante Ausbau der B64 und der B51 schlagen wird. „Mehr Straßen, mehr Fahrzeuge“, so Paltrinieris einfache Gleichung. „Die Ereignisse, die in der Eifel stattgefunden haben, zeigen ziemlich deutlich, was passiert, wenn man Warnungen in den Wind schlägt“, führt sie aus, dass es beim Widerstand gegen den Ausbau nicht nur um lokale Befindlichkeiten, sondern zugleich um ein großes Ganzes gehe.

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„Man kann Fehler einsehen und korrigieren“, weiß die Wissenschaftlerin, die als Diplom-Biologin an der Uni Münster arbeitet. In dieselbe Richtung denkt auch ihre Tochter Felicia Paltrinieri. „Das Thema ist mir wichtig, denn unsere Generation hat am meisten mit den Konsequenzen zu leben“, sagt die junge Frau, die bei „Fridays for Future“ aktiv ist. So wie auch Natascha Aerdker, die betont: „Engagement ist nicht altersabhängig.“

Beide Frauen unterstreichen, dass es ihnen nicht um Verbote gehe, aber es gebe attraktive Alternativen zu den Ausbauplänen. „Gerade bei der B64n“, bekräftigt Natascha Aerdker. Hanna Heseker, die mit ihrem Mann Sebastian Kollhoff und dem gemeinsamen Nachwuchs Thea, Emma und Oskar zur Demo gekommen ist, sorgt sich ebenfalls um die Zukunft.

Direkt betroffen vom geplanten Straßenausbau ist allerdings der Hof ihrer Eltern im Osten Warendorfs, der dem Ausbau wohl komplett weichen müsste. Aus der entgegengesetzten Himmelsrichtung kommen Marina und Ludger Brinkmann. „Wir wären unmittelbar, besser gesagt: extrem betroffen von der Straße“, sagt Marina Brinkmann. Sie sind heute mit einem Trecker nebst Anhänger zur Fahrraddemo gekommen. 

Polizei erwartet eine ruhige Demonstration ohne Zwischenfälle

Der könnte notfalls den Besenwagen bilden und Radler aufnehmen, die nicht mehr weiterkommen, zudem findet sich hier ein Ersatzrad. Außerdem will Ludger Brinkmann am Ende des Radlertrosses fahren, um der Gruppe einen zusätzlichen Schutz gegen die nachfolgende Fahrzeuge auf der Straße zu bieten.

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Die Polizei, die mit rund einem Dutzend Kräfte und mehreren Fahrzeugen für die Sicherung der Strecke zwischen Warendorf und Telgte sorgt, hatte nur den Gegenverkehr gesperrt und sorgte mit ihren blauen Signallichter für Aufmerksamkeit und langsames Tempo. Die vielen Zufahrten zur B64 an den Wirtschaftswegen dagegen wurden nicht gesperrt. 

Insgesamt rechnete der für die Demonstration zuständige Leiter der Polizeiwache Warendorf, Erster Polizeihauptkommissar Ludwig Austermann, vor der Abfahrt nicht mit Zwischenfällen. „Nicht aus der Versammlung und nicht dagegen“, sagte er mit Nachdruck. Allenfalls könnten manche Radler durch mangelnde Übung nicht darauf vorbereitet sein, dass man in der Gruppe vorsichtig und mit Abstand fahren muss, um nicht zu kollidieren. 

Abstand war auch im Rahmen der Corona-Pandemie ein wichtiges Stichwort. Sabine Paltrinieri wies die Teilnehmer vor dem Start mit einem Megaphon auf einige Besonderheiten hin. Sie bat unter anderem darum, darauf acht zu geben, dass beim anschließenden Programm am Treffpunkt Planwiese in Telgte auf Abstand und weitere coronabedingte Einschränkungen geachtet werden solle. Abschließend wünschte Paltrinieri allen Teilnehmenden mit den Worten „Genießt es, die Bundesstraße einmal für etwas viel Besseres zu benutzen“, eine gute Fahrt.

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