Illegaler Teich: Frösche umgesiedelt



Harsewinkel (jau) - Still ruht der See: Um den von der Stadt Harsewinkel illegal angelegten Löschteich an der Hesselteicher Straße ist es ruhig geworden. Viele Harsewinkeler fragen sich jetzt, wie es dort jetzt weitergeht. Muss der Teich zurückgebaut werden? „Die Glocke“ hat  nachgefragt.

Der grüne Schutzzaun soll verhindern, dass Amphibien in den ohne Genehmigung angelegten Löschteich an der Hesselteicher Straße gelangen. Trotzdem wurden Grasfrösche an dem Gewässer gesichtet. Ob der Löschteich an diesem Standort bleiben kann, ist noch unklar. Voraussichtlich nach den Sommerferien sollen Politik und Verwaltung über das weitere Vorgehen informiert werden.

Und zwar beim Harsewinkeler Stadtplaner Reinhard Pawel. Er ging auf den aktuellen Stand der Dinge ein. „An diesem Projekt arbeiten verschiedene Fachleute. Derzeit werden die in den letzten Monaten vor Ort durchgeführten Maßnahmen ausgewertet. Ein von uns beauftragtes Planungsbüro wird einen Bericht erstellen, aus dem hervorgeht, wie man sich die Zukunft vorstellt“, so Pawel.

Planung zum Schutz der Tiere

Und was ist genau unter Maßnahmen zu verstehen? Im Frühjahr hat die Stadt Harsewinkel mit Hilfe eines Planungsbüros sowie eines Biologen eine Planung zum Schutz der Tiere in der Amphibienwanderzeit ausgearbeitet und diese mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. „Diese Planung beinhaltete, dass in diesem Zeitraum entlang der Hesselteicher Straße im Bereich des Feuerlöschteichs beidseitig Amphibienschutzzäune mit entsprechenden Fangeimern aufgestellt wurden. Diese Schutzvorrichtung wurde zweimal täglich von speziell geschulten Mitarbeitern der Stadt kontrolliert. Die in den Eimern aufgefangenen Tiere wurden entsprechend den Vorgaben der Unteren Naturschutzbehörde wieder ausgesetzt, damit sie ihrer Prägung entsprechend ihre Laichgewässer auffinden“, so Pawel.

Schutzzaun rund um den Teich - trotzdem wurden dort Frösche gesichtet

Der Teich selbst wurde auch durch einen Schutzzaun umgeben, damit wandernde Tiere nicht in das Gewässer gelangen. „Aufgrund von derzeitigen Beobachtungen scheinen dennoch einige Amphibien den Weg in den Teich gefunden zu haben“, machte der Stadtplaner deutlich. Diese Tiere – nach „Glocke“-Informationen wurden Grasfrösche gesichtet – sollen auf Anweisung des Kreises mit Hilfe von 30 speziellen Reusen gefangen und in das nahe gelegene Naturschutzgebiet „Barrelpäule“ auf Haller Stadtgebiet gebracht werden, um den Löschteich frei von Amphibien zu halten. Die Kontrolle der Reusen erfolgt täglich, wie aus dem Rathaus zu erfahren war.

Ziel der Stadt: den Teich an dieser Stelle zu halten

Nach wie vor sei das Ziel der Stadt, einen Weg zu finden, den Teich an dieser Stelle zu halten, machte der Fachbereichsleiter Bauen deutlich. „Im Moment habe ich aber noch keinerlei Kenntnisse vorliegen, wie wir diesem Ziel näher kommen können“, so Reinhard Pawel. Er geht im Moment davon aus, „dass wir nach den Sommerferien die Politik und somit auch die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen informieren können“.

Hintergrund

Bereits im Herbst 2017 hat die Stadt Harsewinkel einen Feuerlöschteich an der Hesselteicher Straße anlegen lassen – allerdings ohne zuvor eine Genehmigung beim Kreis Gütersloh dafür eingeholt zu haben. Im Frühjahr 2018 hat dieses Vorgehen der Kommune hohe Wellen geschlagen. Und auch jetzt gibt es noch keine abschließende Klärung der Sachlage.

Im Sommer 2018 war ein Planungsbüro damit beauftragt worden, zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, den bisherigen Standort an der Hesselteicher Straße zu halten und nachträglich eine Genehmigung dafür vom Kreis Gütersloh zu bekommen. Das Ganze wurde eng mit den Verantwortlichen des Kreises abgestimmt. Die Stadt hatte Mitte April 2018 eingeräumt, dass es die Verwaltung versäumt habe, eine Genehmigung einzuholen. Außerdem sei der Löschteich viel größer geworden, als von der Verwaltung beauftragt. Das Gewässer sei gerade dort an der Hesselteicher Straße gebaut worden, weil der Brandschutzbedarfsplan in diesem Bereich ein Defizit in der Löschwasserversorgung ausgewiesen habe, hieß es seinerzeit aus dem Rathaus.

Außerdem sei beim Anlegen des Teichs unberücksichtigt geblieben, dass dieser Standort aus naturschutzfachlicher Sicht problematisch sei – und zwar insbesondere im Hinblick auf die Amphibienwanderung. Problematisch deshalb, weil das Haller Naturschutzgebiet „Barrelpäule“ nur wenige Meter von dem Standort des Feuerlöschteichs entfernt liegt und die Amphibien dorthin wandern. Als die Stadt darauf aufmerksam gemacht wurde, hat sie umgehend Maßnahmen für den Schutz der Amphibien in die Wege geleitet. Der Gütersloher Kreisverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland hatte 2018 den Rückbau des Teichs gefordert.

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