Im Selbstversuch zum großen Glück



Rheda-Wiedenbrück (ssn) - Vom Freund getrennt, aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und in einer anderen Stadt neu angefangen: Maria Schwarz steht an einem Wendepunkt, als sie ein ungewöhnliches Experiment wagt. Inspiriert von einem amerikanischen Bestseller begibt sich die Doppelstädterin auf die Suche nach dem Glück – und lässt über ihren Blog die Welt daran teilhaben.

Mehr als ein Jahr lang hat die Rheda-Wiedenbrückerin Maria Schwarz intensiv an der eigenen Zufriedenheit gearbeitet. Den Selbstversuch führte die 25-Jährige auf der Grundlage eines amerikanischen Bestsellers durch. Ihre Erfahrungen hat Maria in dem Internetblog „Mianania“ festgehalten.

Mehr als ein Jahr lang beschäftigt sich die 25-Jährige intensiv mit der Lektüre, arbeitet nach Feierabend Kapitel um Kapitel durch, markiert wichtige Passagen, macht sich Notizen, entwirft Listen – und startet in den Monaten darauf immer wieder aufs Neue den Selbstversuch. Marias Fazit am Ende des Projekts: „Oft sind es die kleinen Dinge, die uns daran hindern, glücklich zu sein.“ Aufgaben sofort erledigen, sich von Ballast befreien, weniger nörgeln, weniger streiten, dafür mehr lächeln, mehr Entgegenkommen zeigen, mehr auf sich selbst und das eigene Gefühl hören: Was sich leicht anhören mag, wächst sich für die findige Bloggerin nicht selten zur Herkulesaufgabe aus. Dabei geht ihr der Einstieg ins große Glück noch recht leicht von der Hand.

Tipp:

Glücksmomente festhalten: Maria hat sich ein Glas zugelegt, in dem sie ganz besondere Glücksmomente sammelt. Aufgeschrieben werden sie auf bunten Zetteln, die gefaltet in den Flakon geworfen werden. „Das Glas führt mir vor Augen, wieviele gute Dinge ich bereits erlebt habe. Dabei kommt das positive Gefühl zurück, wann immer ich die Zettel lese und mich an die Situation erinnere.“

Dankbarkeits-Tagebuch: Seit einigen Monaten führt Maria ein Buch, in dem sie an jedem Tag drei Dinge benennt, für die sie dankbar ist. „Das ist keine leichte Übung, aber sie macht einem insbesondere an schlechten Tagen bewusst, das eigentlich doch vieles im Leben gut läuft.“

Zügig füllt sich Marias To-do-Liste mit den Dingen, die sie längst schon anpacken wollte, aber stets aufgeschoben hat. Der tote Pflanzenrest, der auf der Fensterbank vor sich hin rottet, fliegt in den Müll, der Besuch beim Arzt wird endlich terminiert und das Fitnessstudio nicht nur bezahlt, sondern auch besucht. „Das war zwar nichts Großartiges, aber danach habe ich mich tatsächlich ein ganzes Stück besser gefühlt“, beschreibt die 25-Jährige und nimmt sich vor: Diese Technik wird sie beibehalten.

Nachhaltig Spuren hinterlässt bei der jungen Frau auch die Aufgabenstellung, ein Stück Glück aus ihrer Kindheit in das Erwachsenenleben hinüberzuretten. Auf die Frage, was ihr als kleines Mädchen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat, besinnt sich Maria auf ihre Leidenschaft für das Tanzen und Singen zurück. „Wenn ich Zuhause bin und es geht mir schlecht, drehe ich jetzt die Musik auf, zappele einfach drauf los und lasse die ganze negative Energie raus“, verrät sie im „Glocke“-Gespräch. Das Singen funktioniert bei ihr ähnlich. „Dann lache ich über mich selbst und vergesse das, was mich so aufgeregt hat.“ In ihrem Internetblog „Mianania“ berichtet die Rheda-Wiedenbrückerin ausführlich über ihre Erfahrungen mit dem Glücks-Experiment.

Experiment stößt Jobwechsel an

Einige der späteren Kapitel empfindet Maria dagegen als eine deutlich größere Herausforderung. Bleibe positiv, auch wenn dein Umfeld das nicht ist, lautet dort etwa die Aufgabenstellung. Die 25-Jährige hat dieses Ziel fest im Blick, wenn sie sich mit einem Lächeln gestressten und unfreundlichen Zeitgenossen stellt. Und nicht selten bekommt sie sogar ein Lächeln zurück. Das tue dann richtig gut, sagt Maria. Doch letztlich muss sie erkennen: „Höflich zu bleiben, wenn dein Gegenüber es nicht ist, zehrt an den Kräften und lässt sich in der Realität nicht immer konsequent durchhalten.“

Gleiches gelte, wenn es darum geht, Menschen aus ihrem Umfeld zu verbannen, die einen negativen Einfluss auf sie ausüben. Dabei beweist die Bloggerin durchaus Mut und nimmt die Aufgabe zum Anlass, sich endlich von ihrem Arbeitgeber zu trennen. „Das Klima dort war schlecht, die Kündigung deshalb der absolut richtige Schritt“, betont Maria rückblickend. Und schnell findet die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte einen neuen Job, bei dem seither alles reibungslos läuft. Alle menschlichen Störfaktoren aus ihrem Leben zu tilgen, ist der jungen Frau indes nicht gelungen. „Es gibt Zwangsgemeinschaften, denen man nicht aus den Weg gehen kann. In diesem Fall besteht die Herausforderung darin, die Situation auszuhalten.“

„Freunde sagen, dass ich zufriedener wirke“

Ob sie jetzt, nach Beendigung des Projekts, ein glücklicherer Mensch ist? „Nicht immer, aber immer öfter“, sagt Maria Schwarz und lächelt. Die Veränderung ist offenbar auch ihren Freunden aufgefallen. „Die sagen, dass ich zufriedener wirke und insgesamt eine bessere Ausstrahlung bekommen habe.“ Das eigene Verhalten stärker zu reflektieren und Grenzen klarer nach außen zu vermitteln: Das sind die zentralen Erkenntnisse, die die 25-Jährige aus dem Selbstversuch mitgenommen hat. Derzeit sucht die findige junge Frau nach einer neuen Herausforderung. Dazu zählt auch, das Bloggen auf ein professionelles Fundament zu stellen. Vor Kurzem hat sie deshalb ein Fernstudium aufgenommen. Dort möchte sie sich das Rüstzeug aneignen, um eine zweite Internetplattform ins Leben zu rufen. „Mianania“ – ihr erster Blog, den es seit 2011 gibt – will sie aber weiter pflegen. „Er spiegelt meine persönliche Welt wider und soll mit mir weiter wachsen.“

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