ITA-Chefin hat Wiederaufbau im Blick



Beckum (scl) - Noch immer fällt es Sigrid Gerdhenrich sichtlich schwer, von diesem Ostersamstag zu sprechen. Dem Tag also, an dem ein Großbrand ihr Familienunternehmen ITA an der Wickingstraße verwüstete. Inzwischen schaut die Neubeckumerin aber wieder nach vorne. Ihre Mission: der Wiederaufbau.

Sigrid Gerdhenrich packt ein. Aber keineswegs im übertragenen Sinne, sondern sehr konkret in der improvisierten Versandabteilung.

Denn daran, dass es in Neubeckum weitergehen soll mit der spezialisierten Fertigung von Dichtungen, bestand nach dem ersten Schock kein Zweifel. Das Lebenswerk ihres vor drei Jahren verstorbenen Mannes will die 57-Jährige auf jeden Fall fortführen. Allein schon für ihre 13-köpfige Belegschaft. „Ich habe hier ein tolles Team“, sagt sie.

Weder nach dem Tod des Firmengründers Thomas Gerdhenrich, noch nach der Brandkatastrophe habe auch nur einer der Mitarbeiter daran gedacht wegzugehen. Auf die Einsatzbereitschaft ihrer Truppe kann Sigrid Gerdhenrich also zählen. Fragte sich nach Zerstörung der Firma nur: Wo und wie sollte weiter produziert werden?

Hilfe aus der Nachbarschaft

Spontane Hilfe ließ nicht auf sich warten. Berater und Freund Christian Steinberg, Inhaber eines Metallbauunternehmens an der Elsastraße in Ennigerloh, bot auf seinem Firmengelände ein Notquartier an. Unentgeltlich wohlgemerkt. Schon bald konnten in der ehemaligen Elektrowerkstatt des dortigen alten Zementwerks wieder Dichtungen gefertigt und versandbereit gemacht werden. Eine Reihe von eilends beschafften Seecontainern dient als Lager. Im Bürotrakt rücken derweil die Mitarbeiter von ITA und Firma Steinberg zusammen. Auch Nachbarn im Gewerbegebiet Mark I springen helfend ein.

Neue Halle  ist schon geplant

Während an der Elsastraße das Unternehmen im Notbetrieb läuft, nimmt der geplante Wiederaufbau bereits Konturen an. Die abgebrannte Halle an der Wickingstraße, soviel steht bereits fest, wird komplett abgerissen. Lediglich die Bodenplatte ist noch verwendbar. „Etwa übernächste Woche werden wir mit dem Abbruch beginnen können“, schätzt die Chefin.

Der bei dem Feuer weitgehend verschonte Bürotrakt soll bereits zuvor nach einer Renovierung wieder bezugsreif sein. Und auf dem Gelände hinter dem Firmengebäude wird eine provisorische Halle so lange Produktion und Lager beherbergen, bis das zerstörte Gebäude wieder aufgebaut ist. „Ich hoffe, dass wir das bis Weihnachten geschafft haben“, sagt Sigrid Gerdhenrich.

Versicherung sagt Regulierung zu

Das Herzstück der Produktion, ein sogenannter Extruder, ist zwar in Mitleidenschaft gezogen worden, kann aber instandgesetzt werden. Die Herrichtung der Maschine zur Dichtungsfertigung läuft parallel zur Aufbauplanung. Die konnte zügig in Angriff genommen werden, da die Versicherung die Regulierung des auf insgesamt rund zwei Millionen Euro taxierten Schadens zugesagt hat. „Die waren mit einem großen Team hier und haben hervorragend gearbeitet“, berichtet die Unternehmerin. Ihr konnten so schnell die Ängste um die wirtschaftliche Zukunft ihres Betriebs genommen werden.

Unternehmen steht gut da

Denn der läuft gut. Die Auftragsbücher sind gefüllt, die Kunden zeigen sich in Anbetracht der besonderen Umstände verständnisvoll und flexibel. Vertriebswerbung kann sich das Unternehmen nach eigenen Angaben schenken. Sigrid Gerdhenrich ist zuversichtlich, nahtlos an alte unternehmerische Erfolge anknüpfen zu können, wenn ihre Firma erst mal wieder steht. Und wenn der Schock von Ostersamstag ganz überwunden ist.

Ein Interview mit Sigrid Gerdhenrich erscheint in der Beckumer „Glocke“-Ausgabe von Donnerstag.

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