Jackson-Hits prächtig-jazzig interpretiert



Gütersloh (col). Jazz-Trompeter Joo Kraus hat sich am Samstagabend im Gütersloher Theater der Musik von Michael Jackson gewidmet: Unter dem Motto „Songs from Neverland“ schälte er mit seinen Bandkollegen die Essenz der Stücke heraus und stellte sie in einen jazzigen Kontext – ein gelungenes Konzept, das von den 200 Zuhörern mit viel Applaus bedacht wurde.

Schmaler Grat perfekt gemeistert: Joo Kraus wagte sich an die bekanntesten Michael-Jackson-Hits und präsentierte dem Publikum perfekte Jazz-Interpretationen.

Joo Kraus hatte für sein Michael-Jackson-Projekt – für einen Jazzer übrigens ein gewagtes Unterfangen – das „Tales in Tones Trio“ mitgebracht: Ralf Schmid am Klavier, Jens Loh am Kontrabass und Torsten Krill am Schlagzeug. Eine bewährte Kombination, die nicht nur im Studio harmoniert, sondern am Samstagabend auch live zu überzeugen wusste. Zum Auftakt präsentierte der Trompeter seinem Publikum die beiden Welthits „Beat It“ und „Thriller“. Während sich „Beat It“ abseits der typischen Bassfigur ausgesprochen chillig präsentierte, verwandelte das Quartett den „Thriller“ zur launigen Up-Tempo-Nummer: Derweil sich Joo Kraus mit der Trompete an der vertrauten Melodielinie abarbeitete, trieb Schlagzeuger Torsten Krill die Nummer gnadenlos voran. Für die Schauereffekte des Welthits sorgte indes die Elektronik – das Ergebnis war eine 1980er-Popnummer im feinsten Jazzornat, die das Publikum schon nach zehn Minuten zu einem begeisterten Applaus animierte.

Erstklassiger Jazzabend

Überhaupt herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre im Theater: Den rund 200 Zuhörern gefiel die Musik, den Musikern gefielen Akustik, Sound und Licht, und so waren alle glücklich. In solch entspannter Atmosphäre ließ es sich prächtig musizieren, so dass sich ein erstklassiger Jazzabend entwickelte: Die Stücke von den bekanntesten Alben „Thriller“ und „Bad“ – als da wären „The Way You Make Me Feel“, „Man In The Mirror“ und „Billie Jean“ – wechselten sich ab mit dem Frühwerk „Blame It On The Boogie“ von den „Jackson Five“ sowie neueren Werken wie „Stranger in Moscow“ und „Heal The World“. Alles in allem präsentierte Joo Kraus einen veritablen Querschnitt durch das Œuvre des „King Of Pop“ und schreckte dabei auch vor den bekanntesten Stücken nicht zurück. Durchaus eine Herausforderung – allzu schnell wirkt so eine Jazz-Interpretation nämlich wie eine billige Kopie des Originals.

Gelungenes Konzept  gebührend gefeiert

Davon waren Joo Kraus und das „Tales in Tones Trio“ meilenweit entfernt: Sämtliche Stücke waren angemessen abstrahiert, geschmackvoll arrangiert, hatten zumeist eine loungigen Charakter, ließen jedoch in beinahe allen Fällen auch deutlich die Vorlage durchscheinen – so war es auch für all diejenigen, die keine eingefleischten Jackson-Fans sind, meist kein Problem, die Originale zu identifizieren. Alles in allem ein ebenso mutiges wie gelungenes Jazz-Konzept, das gebührend gefeiert wurde.

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