Junge Designer entwerfen Traummode



Beelen (fre) - Es wirkt, als fege ein kreativer Sturm durch den Jugendtreff. Stoffe, Nadeln, Maßbänder und Nähmaschinen haben die Tische gekapert. Acht Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren wuseln dazwischen umher.

Passt das so? Modedesignerin Annegret Lindemann drapiert das Volant an Viviens rotem Kleid.

Im Auge des Sturms ist Modedesignerin Annegret Lindemann am Werk und hilft, wo sie kann: Das hartweiße oder rohweiße Garn? Eine größere oder kleinere Stichlänge? Ein paar Zentimeter mehr oder weniger am Saum des Kleides? Lindemann hat immer eine Antwort parat.

Und so finden sich in ihren Kursen bereits begeisterte Jung-Schneiderinnen, die schon mehrere Kurse absolviert haben, aber auch Neulinge, die mit Nähmaschinen noch vollkommen unvertraut sind. Eine der Erfahrenen ist die elfjährige Emily aus Oelde, die auch zuhause regelmäßig näht. „Etuis, Turnbeutel, Kissen, ein Körbchen für meinen Hund“, zählt sie ihre bisherigen Werke auf. Am Nähkursus im Jugendtreff wollte sie dennoch unbedingt teilnehmen. „Diese Tasche ist ziemlich kompliziert, und hier bekomme ich Hilfe“, erklärt sie und deutet auf ihr neustes Projekt vor sich. Dunkelblaues Kunstleder und ein weißer Stoff mit Ankern bilden die Grundlage.

Mit mehreren Innentaschen möchte sie Ordnung schaffen, und für den modischen Feinschliff helfen Aufnäher mit Flamingo, Palme und Tukan. Allein das Schnittmuster war 15 Seiten lang – für Annegret Lindemanns Durchblick ist Emily da dankbar. Mit deutlich weniger Näherfahrung ist dagegen die neunjährige Julia gestartet. Sie hat am Montag ihre ersten Stiche an alten Stoffresten getätigt. „Ecken, Bögen, gerade Linien“ lauteten die ersten Übungen. Doch an Tag zwei schon hat sie die Arbeiten an einem Etui in der Optik eines Stücks Wassermelone und an einem Turnbeutel beendet.

So fleißig arbeiten auch die anderen Teilnehmerinnen im Jugendtreff. Immer wieder werden die neuen Kleidungsstücke anprobiert, der Saum oder das Volant abgesteckt, die Stoffe passend geschnitten und begleitet vom Rattern der Nähmaschine befestigt.

Noch bis Dienstagnachmittag sollen so Kleider, Hosen, T-Shirts und Taschen fertig werden. Anschließend dürfen die Mädchen sie in einem Fotoshooting stolz präsentieren. Das wohl größte Kompliment konnte Emily für ihre Tasche allerdings schon vorher einheimsen: „Die sieht echt voll gekauft aus“, bemerkt eine andere Teilnehmerin.

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