Kater Ernie büxt fern der Heimat aus



Rheda-Wiedenbrück (kaw) - Silvester, als die Feuerwerksraketen und Böller mit krachendem Getöse der nächtlichen Stille ein jähes Ende setzen, ist ihre Angst um Ernie am größten. Auch im neuen Jahr liegt noch immer die Sorge um ihren vermissten Kater wie ein dunkler Schatten über ihrem Alltag.

„Wir vermissen ihn unwahrscheinlich und hoffen jeden Tag auf ein Happy-End“, sagt Maike Hammerström, die mit ihrem Freund seit dem 19. Dezember nach ihrem Stubentiger sucht, der aus einer Tierpension in Rheda ausgebüxt ist.

Wahnsinnig große Ohren

Das in Liesborn lebende Paar hat die zweieinhalbjährige Europäisch-Kurzhaar-Katze hochgepäppelt, als es diese im Alter von etwa vier, fünf Monaten aus einem Tierheim zu sich holte. Eine stattliche, etwa sechs Kilogramm schwere Erscheinung ist aus dem grau-braun-getigerten Kerlchen mit dem großen weißen Latz auf der Brust und den weißen Pfoten geworden. Vor allen Dingen aber ist das Tier der 32-Jährigen und ihrem Freund ans Herz gewachsen. „Er hat schöne grüne Augen und wahnsinnig große Ohren“, beschreibt Maike Hammerström ihren Ernie.

Besonderes Kopfzerbrechen bereitet ihr der Gedanke, dass ihr Kater, der zwar ein Freigänger ist, so weit fort von Zuhause entschlüpft ist. Auf der Straße betrage die Entfernung knapp 25, querfeldein wohl 20 Kilometer, schätzt sie. „Wir fahren nicht oft weg“, fügt sie hinzu, dass das Paar seinen Urlaub oft zuhause verbringe. Somit war die vorübergehende Unterbringung in einer Tierpension für den Kater eine ungewohnte Ausnahme. Diese war einer besonderen Familienfeier in Berlin geschuldet. Schon im Sommer habe sie sich nach einer geeigneten Unterkunft umgesehen, berichtet die Chemielaborantin. Doch bereits einen Tag, nachdem sie sich von ihrem Schützling verabschiedet hatten, erreichte die Verreisten die Nachricht, dass dieser vermisst werde.

Unter Tränen gesucht

„Er muss wohl im Außengehege eine Stelle gefunden haben“, mutmaßt die 32-Jährige, und erläutert, dass sie sich mit ihrem Partner so schnell wie möglich auf den Weg nach Rheda gemacht habe, um Ernie zu suchen. „Unter Tränen sind wir Straße für Straße abgegangen“, blickt Maike Hammerström zurück. Auch die nächsten Tage hätten sie sich teilweise dreimal täglich auf den Weg in die Emsstadt gemacht, um nach Ernie Ausschau zu halten, den sie als schüchternen und ängstlichen Kater charakterisiert.

Sie hätten alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, erläutert die 32-Jährige: Flyer seien verteilt, Passanten angesprochen, Suchmeldungen über Facebookgruppen gesendet und Tierheime sowie Tierärzte benachrichtigt worden. Da der kastrierte Kater zudem gechipt und im Tierregister des Vereins Tasso erfasst ist, meldete sich das Paar aus Liesborn auch dort.

Vergebliche Bemühungen

Bis jetzt ist die Suche nach Kater Ernie vergeblich geblieben, wenngleich zwischendurch Hoffnung aufflackerte. „Dreimal soll er an der Portlandstraße gesehen worden sein“, berichtet Maike Hammerström, doch seit dem 28. Dezember habe es keine Meldungen mehr gegeben.

In welchem Radius sich womöglich die Hauskatze, die in Nordrheda verschwunden ist, bewegt, könne sie nur vermuten. Ob Fürst-Bentheim-Straße, Oelder Straße oder gar bis zur Autobahn – all das sei möglich.

Viele nette und hilfsbereite Menschen habe sie kennengelernt, die ihre Augen offenhalten wollen, betont die 32-Jährige. Ihre Hoffnung sei es, dass ihre Samtpfote irgendwo mitfrisst und gemeldet wird. Vielleicht werde er von jemandem gesehen, der bemerkt, dass er nicht in die Nachbarschaft gehört, stellt sie weitere Überlegungen an. Sie hoffe, dass nicht einfach jemand ein Tier aufnimmt und es behält. Wer weiß, da Ernie ein kluges Kerlchen sei, schaffe er es vielleicht mit seinem inneren Kompass sogar nach Hause zu kommen, stellt sie eine weitere Überlegung an.

Quälende Ungewissheit

Es ist die Ungewissheit, die der jungen Frau schlaflose Nächte bereitet und sie alle paar Minuten in Erwartung einer guten Nachricht auf ihr Handy blicken lässt. Sicher, so räumt sie ein, gebe es auch andere Probleme, doch für sie sei der Kater, der auf Ansprache antwortet und treu Regenwürmer sowie Mäuse heranträgt, wie ein Familienmitglied: „Er fehlt halt einfach.“

Wer womöglich das vermisste Tier gesehen hat, wird gebeten, über Tasso (bitte auf die Suchdienstnummer S2442233 beziehen) oder die informierten Tierheime Kontakt aufzunehmen.

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