Keinen Blick für Sehenswürdigkeiten



Verl (kvs) - Günter Hüttenhölscher und seine Mitstreiter haben im rumänischen Satu Mare keinen Blick für den grünen Erholungspark, von wo aus die Hauptstraße Bulevardul Traian zum zentralen Platz der Freiheit führt. Vom alten Glanz ist der Stadt nicht allzu viel geblieben.

Hütti

Stattdessen sehen die Verler, die am zweiten Weihnachtsfeiertag mit einem Hilfstransport dorthin aufbrechen, vor allen Dingen Not und Elend. In den vergangenen Tagen drehte sich bei „Hüttis Balkanhilfe“ alles um den nunmehr 87. Konvoi, der am kommenden Dienstag Rumänien erreichen soll.

Vier Lastzüge mit etwa 60 Tonnen Lebensmitteln und anderem Material werden dann 1600 Kilometer zurückgelegt haben. 24 Stunden – das ist die Zeit, mit der Günter Hüttenhölscher, der Motor der Initiative, einkalkuliert, um sein Ziel zu erreichen. Es geht über Straßen, die diese Bezeichnung vielfach nicht wert sind, in ein Land, das trotz EU-Mitgliedschaft weit entfernt ist von Verhältnissen, wie man sie aus Westeuropa kennt.

Bernhard Gertoberens, Karl Georg Dilcher sowie Günter und Uwe Brinkord werden jeweils einen 40-Tonner Richtung von Verl aus in Richtung Satu Mare, die nordwestlichste Großstadt Rumäniens, steuern. Im Rücken haben sie – außer „Hüttis Balkanhilfe“ Kleidung, Lebensmittel und Spielzeug. Die Mengen klingen beeindruckend: 1176 Kilogramm Erbseneintopf sind dabei, annähernd 5000 Kilogramm Kekse, tonnenweise wärmende Hosen und Jacken, mehrere hundert Kartons mit Süßigkeiten und vieles mehr.

„Hüttis Balkanhilfe“ hat einmal zusammengerechnet. So sind seit Bestehen der Organisation mehr als 780 000 Euro Barspenden auf die Sonderkonten eingezahlt worden. „Rechnet man die ungeheure Menge an Sachspenden um, haben wir die 3-Millionen-Grenze längst überschritten“, sagt Günter Hüttenhölscher. Der aktuelle Transport nicht eingerechnet sind 3555 Tonnen Hilfsgüter in Waisenhäuser, Flüchtlingslager, in Kinderdörfer, zur Caritas und zu anderen Einrichtungen gebracht worden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kommen noch einmal Waren im Wert von 25 000 Euro und mit einem Gewicht von schätzungsweise 60 Tonnen dazu.

Erste Station ist der Platz der Freiheit, der Piati Libertatii. Dort laden die Aktiven von „Hüttis Balkanhilfe“ zunächst einen Großteil der Waren ab. Sie werden anschließend von Helfern der Caritas an die Bedürftigen weitergegeben. Anschließend geht es für Günter Hüttenhölscher und andere weiter zu verschiedenen Waisenhäusern. Viele Kinder und Eltern aus Verl sowie Umgebung haben in der Vorweihnachtszeit Päckchen für ihre Altersgenossen in Rumänien gepackt, die am 27. Dezember an die Notleidenden verteilt werden sollen.

200 Kilometer weiter hat die Asociatia Sankt Antonius Bistrita ihren Sitz. Mitglieder der Organisation werden nach Satu Mare kommen, um einen Teil der Hilfsgüter auf kleinere Transporter zu verladen und in ihrer Region an Bedürftige weiterzugeben. Silvester wollen Günter Hüttenhölscher und seine Begleiter wieder zurück in Deutschland sein.

Bis unter das Dach sind die Kisten und Paletten in „Hüttis“ Lager an der Stahlstraße 35 gestapelt. Alle Hilfsgüter können beim 87. Transport gar nicht mitgenommen werden, so viele sind es. Am gestrigen Freitag sind die Aktiven der Organisation damit beschäftigt, die Waren zu verladen, wobei jedes Paket seinen vorbestimmten Platz hat. Zwar ist Rumänien mittlerweile in der europäischen Union, was die Abwicklung am Zoll deutlich vereinfacht hat, aber niemand möchte sich an der Grenze rechtfertigen müssen, wenn etwas anderes als angegeben auf der Ladefläche liegt.

Um Unterstützung, insbesondere beim Verladen, braucht Günter Hüttenhölscher nicht lange zu werben. „Da hilft meine Frau von oben mit“, sagt er. Brigitte Hüttenhölscher war seit 1992 fraglos neun Jahre lang der Motor der Initiative, ehe sie starb. Heute macht es ihr Mann mit einem starken Team. Seitdem ist die Organisation in Bosnien-Herzegowina, in Bosnien, im Kosovo, in Kroatien, in Rumänien und in der Ukraine aktiv.

Gebraucht werden für die Zielgebiete der Balkanhilfe haltbare Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Matratzen, Federbetten, Hygieneartikel, Spielzeug, Schulbedarf, Werkzeuge und vieles mehr. Sie können wieder ab dem 7. Januar jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr im Lager an der Stahlstraße 35 (rückwärtiger Eingang der Firma Deppe) abgegeben werden.

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