Kirchenbänke auf dem Weg nach Polen



Beckum (scl) - Eine gewisse Wehmut kann Hans Remmert nicht verbergen, als die letzten Kirchenbänke der ehemaligen Liebfrauenkirche auf der Ladefläche des Lkw verschwinden. Wie ein Teil des Mobiliars der Martinskirche bereits in der Vorwoche haben die Bänke die Reise ins polnische Koszalin angetreten.

Beim Verladen dabei (v. l.) Adam Zygnastin, Michael Laukemper, Heinrich Lanfer, Hans Remmert und Jürgen Hainke.

Zurück bleibt der große, leere Kirchenraum, den das Generalvikariat Münster künftig als Lapidarium für die Einlagerung von Kunstwerken und Ausstattungsgegenständen anderer profanierter Kirchen nutzen wird.

Für Hans Remmert und andere aus der ehemaligen Liebfrauengemeinde ist das Ausräumen letztes sichtbares Zeichen der Profanierung ihrer Kirche, mit der sie sich nach wie vor nur schwer abfinden können. Ein kleiner Trost ist es dabei, dass die vertrauten Bänke nicht zerstört, sondern in Polen wieder zur Ausstattung von Kirchen dienen werden.

Die Spende ist auf Initiative des Malteser Hilfsdienstes aus Münster zustandegekommen. Stadtbeauftragter Jürgen Hainke und Heinrich Lanfer von der Diözesangeschäftstelle sind sowohl an der Martinskirche als bei Liebfrauen vor Ort, als das Inventar verladen wird. Ursprung der Kooperation war die Idee, die langjährige Unterstützung der Caritas im ehemaligen Köslin an der Ostsee durch die Malteser in Ahlen aufrechtzuerhalten, nachdem deren verdienter Vertreter Arnold Gailus verstorben war.

Über den Caritasdirektor in Koszalin erreichte die Malteser in Münster die Anfrage, ob man bei der Beschaffung von Kirchenausstattung behilflich sein könnte. Darauf angesprochen, zeigte sich Dr. Michael Reuter vom Generalvikariat der Idee gegenüber aufgeschlossen. Schließlich gebe es etliche profanierte Gotteshäuser im Bistum. Auf seine Vermittlung wurde der Kontakt nach Beckum geknüpft und die Abgabe der Bänke aus beiden ehemaligen Kirchen vereinbart.

Mittlerweile, so berichtet Hainke, liegen 13 weitere entsprechende Anfragen in Koszalin vor. Von dort wird es nach Hainkes Worten bestimmt eine Rückmeldung geben, wenn die Bänke ihre Bestimmungsorte erreicht haben.

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