Kita-Streik: Eltern reißt der Geduldsfaden



Gütersloh (din) - Der Streik der Erzieherinnen in den städtischen Kindertagesstätten geht in die dritte Woche. Vielen Eltern, die bislang noch Verständnis aufgebracht haben, reißt der Geduldsfaden. Auch die Stadt appelliert an die Tarifpartner, sich wieder an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln.

Vor dem Rathauseingang demonstrierten Eltern am Dienstag mit ihren Kindern für eine Öffnung der Kindertagesstätten und für eine Erstattung der Elternbeiträge: (vorn v. l.) Victoria, Janette Wunderlich sowie Emily und Finja.

Vor dem Rathaus herrscht am Dienstagnachmittag ein ohrenbetäubender Lärm. Eltern und Kinder, insgesamt etwa 80 Personen, machen ihrem Ärger über die geschlossenen Kindertagesstätten Luft. Die Steppkes strapazieren ihre Trillerpfeifen. „Wir wollen zurück in unsere Kitas“, heißt es auf Pappschildern und „Wir vermissen unsere Freunde“.

„Wir machen Krach, weil der Streik auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird“, sagt Janette Wunderlich, die mit Melanie Hron via Facebook im Internet zur Demonstration aufgerufen hat. „Für viele ist die Situation kaum noch zu bewältigen“, heißt es dort. „Zu dem Problem, dass die Meisten ihren Urlaub opfern müssen, unbezahlt zu Hause bleiben und finanzielle Einbußen haben, kommt die Verwirrung unserer Kinder.“ Janette Wunderlich hat selbst vier Kinder, von denen zwei die bestreikte Kindertagesstätte an der Isselhorster Straße besuchen.

Die 30-Jährige ist ohnehin in Elternzeit, hat aber auch konkrete Forderungen: „Die Kita-Gebühren und die Essensbeiträge müssen erstattet werden.“ Sandra Moulb fordert: „Macht die Kitas wieder auf.“ Die Erzieherinnen hätten auch eine Verpflichtung.

„Aus meiner Sicht ist es jetzt genug. Der Streik hat sein Ziel erreicht, für die Forderungen der Erzieherinnen zu sensibilisieren. Jetzt muss verhandelt werden“, sagte der zuständige Dezernent Joachim Martensmeier am Dienstag auf Anfrage. Er unterstrich damit einen Appell von Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) an die Tarifparteien („Die Glocke“ berichtete). Es müsse die letzte Streikwoche sein. Er, so Martensmeier, hoffe, dass vom Treffen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände am Donnerstag dieser Woche „ein Signal ausgeht“.

Nach wie vor bleiben 19 von 21 städtischen Kindertagesstätten geschlossen. „Wir tun als Stadt, was in unseren Möglichkeiten steht“, sagte der Dezernent. Am vergangenen Freitag besuchten rund 70 Kinder die Notfallbetreuung in der Hauptschule Nord, am Dienstag waren es vormittags 73. Die Organisation sei gut, die Stimmung angemessen und die Mitarbeiterinnen dort seien engagiert, sagte Martensmeier. Auch die Kinder arrangierten sich mit der Situation („Kinder gewöhnen sich schnell“). Allerdings vermute er, dass viele Eltern ihre Kinder zähneknirschend zuhause ließen oder sich andere Betreuungsmöglichkeiten suchten. Die Nervosität nehme zu.

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