Kleine Identracht mit großer Predigt


Herzfeld (gl) - Alle sind froh, dass sie wieder gemeinsam Messe feiern können. Alle hoffen auf ein Ende der Pandemie, auf eine Rückkehr zur Normalität, wenn es sie denn je in der gewohnten Form geben wird. Alle sind gespannt, wie es dann sein wird. Das wurde zum Abschluss der Ida-Woche deutlich.

Wie Kirche dann sein wird, das konnte auch Franz-Josef Bode nicht vorhersagen – demütig dienend, liebevoll und nah am Menschen, das wäre für ihn wünschenswert. Der Bischof von Osnabrück und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sprach beim Pontifikalamt zum Abschluss der Ida-Woche am Samstagabend in der päpstlichen Basilika Sankt Ida. 

Wer offene, erhebende, mutige, wegweisende Worte erwartet hatte zu einer Kirche, die sowohl deutlich in der Kritik als auch in der Krise ist, wurde enttäuscht. Der Bischof lobte das Leben der heiligen Ida als Beispiel von Hingabe und Demut, er knüpfte von da aus den Faden ins Heute. Nur wer sich mit ganzem Herzen und ganzer Demut Jesus verschreibe, dabei bereit sei, in der Nachfolge alles, selbst das eigene Leben einzusetzen, habe verstanden, worum es gehe: Nicht um leeren Aktivismus, sondern ein erfülltes Leben im Glauben, um ein Leben mit überzeugender Haltung, um eine Nachfolge „wie ein Verliebter“, in aller Leidenschaft und ebenso in aller Leidensbereitschaft – Jesus sei eben weit mehr als nur ein guter exemplarischer Mensch, er sei auch mehr als einfach nur ein ferner Gott. Man müsse sich entscheiden, wie man zu Christus stehen wolle, man müsse sich der wachsenden Zahl von „Apatheisten“ entgegenstellen, denen schlicht alles egal sei. 

Gegen Unfrieden und Orientierungslosigkeit wenden

Man müsse sich wenden gegen die Ungeister und Abergeister der Zeit, gegen Unfrieden und Orientierungslosigkeit – viel Arbeit bleibe da für den Heiligen Geist, der gemäß dem Jahresmotto für die Wallfahrten in den Menschen atmen soll. Dass in seinem Bistum pro Woche 100 Enttäuschte, Frustrierte, Verbitterte aus der Kirche austreten, auch davon berichtete der Bischof – und davon, dass diese Menschen oftmals dem Glauben verbunden blieben. Kirche könne nur gegensteuern, wenn sie künftig wieder eine radikale Menschlichkeit und Liebe erfahrbar mache, so, wie sie einst Jesus vorgelebt habe. Die Erwartung der Menschen an Kirche bleibe, die Erwartung an gute Seelsorge, an wirksame Begleitung in Nöten, an einen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft, an ein Gelingen des viel zititierten neuen synodalen Weges. Der könne nur mit Augenmaß gelingen.

Straßen sind geschmückt

Nach dem einstündigen Hochamt in der Basilika dann für alle der kleine Gang von der Kirche auf die Hauptstraße, durch den Kreisverkehr und weiter bis vor die steinerne Büste der Heiligen auf ihrem Sockel vor dem Eingang zum Gelände von Haus Idenrast: Die Straßen waren geschmückt mit Prozessionsfähnchen, Feuerwehrleute trugen den großen Idenschrein, Kolpianer den kleinen, Schützen, Landjugend, Kolping und Jugendkolping und Katholische Frauengemeinschaft ihre Vereinsfahnen. Die goldene Ida-Büste fehlte dieses Mal im Zug – warum, blieb unklar. Die musikalische Ausgestaltung des Pontifikalamtes übernahmen der Ida-Chor unter Leitung von Jörg Bücker. Den Prozessionsweg und die Abschluss-Station vor Haus Idenrast begleitete die Blasmusik aus Hultrop musikalisch.

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