29-Jähriger bereut versuchten Raub
Vor dem Gütersloher Schöffengericht musste sich am Mittwoch ein Mann aus Rheda-Wiedenbrück verantworten.

Er strolcht über den Gütersloher Weihnachtsmarkt, auf der Suche nach Lebensmitteln. An einer Bushaltestelle nimmt er eine Frau mit prall gefüllter Einkaufstasche ins Visier, folgt ihr und will ihr die Tasche rauben. Doch die Frau wehrt sich, der Mann flüchtet und wird drei Tage später festgenommen. Gestern blätterte die erweiterte Strafkammer des Schöffengerichts Gütersloh die Vita eines Kranken auf. Er leidet an viruell bedingter Hepatitis C und an Epilepsie. Tabletten und Drogen, seit dem 16. Lebensjahr zur Gewohnheit geworden, haben den 29-Jährigen antriebslos gemacht. Nach Heroin & Co war auf Entzug, und immer mal wieder „abgestürzt“.

Therapieversuch abgebrochen

Ein Therapieversuch in der Bernhard-Salzmann-Klinik wurde Ende vergangenen Jahres abgebrochen. Etwa zeitgleich weilte eine um ihn besorgte Freundin (38) auf Kurzurlaub in Hessen. Gründe genug für den Gestrauchelten, mit einem Kumpel Schnaps und Bier zu trinken und mit Tabletten Depressionen zu kompensieren. Letztere plagten ihn, wie er schilderte, seit er in einer WG „eine ganze Nacht lang“ schikaniert worden sei. So fand er ein Bett im Obdachlosenheim.

„Filmriss“

Er konnte die näheren Tatumstände nur vage darstellen. „Filmriss“, sagt der Angeklagte, fügt jedoch hinzu, dass er nie gewalttätig gewesen sei und Übergriffe von Männern auf Frauen als „abstoßend“ empfinde. Es reue ihn, was passiert sei. Wie er da sauber gekleidet auf der Anklagebank kauerte, wirkte er nicht wie einer, der die Straßenszene kennt. Sie hatten ihn wegen seiner auffälligen Kleidung – schwarze Jacke mit gelbroten Aufklebern – drei Tage nach dem Überfall aufgegriffen. Auf der Polizeiwache, wohin ihn Kripobeamte zur Vernehmung brachten, plagte ihn der Hunger. „Wir gaben ihm Schokoplätzchen“, schilderte ein Polizist im Zeugenstand.

Hat der Angeklagte sich selbst gestellt?

Eine weitere Frage, die das Gericht beschäftigte: Hatte der 29-Jährige sich selbst gestellt? Die Freundin beteuerte, Ermittler hätten sie besucht, ihr Freund sei später angekommen, sie habe ihm gesagt, dass er gesucht werde. Beide hätten die Wache an der Herzebrocker Straße verständigt. Dort haperte es wohl mit der internen Komunikation. Während Kripobeamte nach dem Flüchtigen ausschauten, war dessen Anruf schon bei der Schutzpolizei aufgelaufen. „Automatisch erfährt die Wache von uns nichts“, sagte der Kriminaler. Das Opfer war gestern in Urlaub. Ohne die Aussage der Betroffenen geht es nicht weiter, befand die Richterin. Neuer Termin ist am 5. Juli.

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