69-Jähriger auf Langstrecke spitze
Bild: Prignitz
Motiviert: (v. l.) John Wishart ist dank des gezielten Trainings, das Arnold Ackermann mit ihm durchgeführt hat, so fit, dass er den nächsten Läufen entgegenfiebert. Nadine Anders (25) ist Auszubildende zur Sport- und Fitnesskauffrau im ersten Lehrjahr.
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Dass der gebürtige Schotte überhaupt wieder erfolgreich laufen kann, hat er Arnold Ackermann zu verdanken. 25 Jahre hat John Wishart beim britischen Militär gedient, 19 Jahre davon in Deutschland. Während dieser Zeit hat er die Leidenschaft für das Laufen entdeckt. „Bei sämtlichen anderen Sportarten waren die anderen besser“, räumt der 69-Jährige freimütig ein. Mit typisch schottischem Humor erzählt Wishart, wie er schließlich mit 50 anderen durch den Schlamm gerannt und irgendwie – „wie, weiß ich auch nicht“ – unter den ersten 20 und damit in der Chepstow-Mannschaft von Wales gelandet ist. In den frühen 60er-Jahren war das. Wishart blieb dabei, betrieb drei Jahre lang Crosslauf, und zwar „abgeschottet von der Welt“. Eben weil Vergleichsmöglichkeiten fehlten, „wusste ich gar nicht, dass ich gut war“. Eine Meile (1609 Meter) in 4,10 Minuten lief er mit 17 Jahren. „Das ist sehr, sehr gut, aber es war mir eben nicht bewusst.“ Deshalb verfolgte er den Sport zunächst nicht weiter, als er 1962 nach Deutschland kam, weil dort Panzermechaniker gebraucht wurden. Detmold, Libyen, British Honduras – an immer neue Standorte wurde Wishart versetzt. Und er wäre nicht Schotte, wenn er nicht verstanden hätte, das Leben zu genießen. „Jedes Essen war ein Event.“ Irgendwann hatte er 86 Kilo, verteilt auf 168 Zentimeter Körpergröße, auf den Rippen. „Das sah gar nicht gut aus.“

Jahrzehnte für Post SV Gütersloh gelaufen

 Wishart, der auch Jahrzehnte für Post SV Gütersloh gelaufen ist, kann sich noch an den Anstoß erinnern, seinen Speckrollen zu Leibe zu rücken. Als ein Kunde wissen wollte, wer denn der Chef sei, und ein Mitarbeiter antwortete: „Der keine dicke grauhaarige Schotte mit der Brille.“ Da habe es geklingelt. „Da habe ich gewusst, du musst was tun.“ Wishart fing an zu joggen, erst einmal, dann dreimal am Tag, jeden Tag 15 Kilometer. Der Ehrgeiz war geweckt, und zwar ein bisschen zu sehr. „Als ich nach Hause kam, hatte ich nur noch 60 Kilo. Meine Frau dachte, ich hätte die Dschungel-Krankheit.“ Wishart entdeckte den Volkslauf für sich. „Ich habe damals jeden mitgemacht.“ Und immer gehörte er zu den Schnellsten. „Als mich jemand überreden wollte, am Hermannslauf teilzunehmen, habe ich gedacht, das ist nicht mein Ding.“ War es doch. Nach zwei Stunden und drei Minuten kam Wishart Ende der 70er-Jahre ins Ziel. 1980 startete der Läufer beim ersten Bielefelder Marathon. Obwohl er während des Trainings dehydrierte. „Ich hatte ja gezahlt, und ich bin Schotte.“

Mehr über den Start bei der Deutschen Meisterschaft im Juli sowie über weitere Lauftermine lesen Sie in der „Glocke“-Ausgabe vom Mittwoch.

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