Alte DKW treibt Floß über die Ems
Bild: Steinecke
Das Schaufelrad wird für den notwendigen Schub sorgen. Gerd Beyer (vorn) und Michael Letonia sorgen für den Feinschliff.
Bild: Steinecke

Zusammen mit acht Kollegen werkeln die Männer an einem außergewöhnlichen Projekt: an einem Floß mit einem Motorrad als Antrieb. Das Schaufelrad am Heck dreht sich bereits in der selbst gefertigten Lagerung und auch die alte DKW 200 wird auf ihre Position gerückt.

Währenddessen kommt Rolf Hempel mit dem Ritzel aus der kleinen Werkstatt. Das soll auf der Antriebswelle des Schaufelrades Platz finden und die Kraft der sieben Pferdestärken des Zweitakters übertragen. „Wir wissen nicht, ob die Leistung reicht. Ausprobiert haben wir es nicht und werden es auch nicht“, sagt Bernd Schmehl. Er ist gespannt, ob bei der Jungfernfahrt alles glatt läuft.

Dass das Floß schwimmt, dessen ist er sich sicher. Vor vier Wochen stellte es bereits seine Schwimmfähigkeit auf der Ems unter Beweis. Drei Tonnen sollen die rund 100 Kanister, die mit Brettern und Spanngurten zusammengehalten werden, tragen.

Tüfteln in Trumpf

Entstanden ist die Idee zu dem skurrilen Projekt am Stammtisch „Oldtimerfreunde“. Den halten die aus verschiedenen Orten des Kreises stammenden Fans antiker Motorräder jeden Mittwoch in ihrer Lieblingseisdiele ab. Was zunächst lediglich als einfaches Floß geplant war, bekam nach der ersten Probefahrt auf der Lippe Flügel. „Das muss motorisiert werden“, waren sich die Freunde einig. Eine Stunde dauerte es, dann stand die Konstruktion. „Das passierte im Kopf. Der Rest ergibt sich automatisch beim Bauen“, schmunzelt Wilfried Jeß. „Und was nicht passend ist, wird passend gemacht“, springt ihm Ulrich Scholz zur Seite.

Kosten soll das alles nicht viel, weshalb die Oldtimerfreunde stolz darauf sind, dass nichts gekauft wurde. Hier herrscht der Geist des „Selbermachens“. Ordentlich ausgestattet sind sie dafür. In der Werkstatt leistet eine kleine Drehbank unbezahlbare Dienste. Die Bohrung in dem Ritzel muss vergrößert werden? Kein Problem. Distanzscheiben ebensowenig. Und auch die Ständerbohrmaschine erfüllt ihren Zweck. Dort noch schnell ein Loch für einen Sicherungsstift gebohrt und schon kann es weitergehen. Zwei Tage Bauzeit rechnen die Floßkonstrukteure.

Feuertaufe am nächsten Mittwoch

Draußen kann Bernd Schmehl es kaum noch erwarten. Mit energischen Tritten auf den Kickstarter erweckt er den betagten Zweitakter zum Leben. Mit einem scheppernden Protestlied nimmt dieser seinen Dienst auf. „Wir haben an alles gedacht“, zeigt Schmehl stolz auf eine Ölwanne, die etwaige Ölverluste des Motorrads auffangen soll.

Am nächsten Mittwoch, 20. Juli, schlägt um 18 Uhr beim Stapellauf an der Brocker Mühle die Stunde der Wahrheit. „Vorwärts geht es auf jeden Fall – und wenn wir das Ding ziehen müssen“, so Wilfried Jeß.

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