Am Thema Rente kommt keiner vorbei
Bild: Bitter
Drei ehemalige Erste Bevollmächtigte der heimischen IG Metall blickten zurück: (v. l.) Hans Mombaur (Ahlen-Oelde), Bernd Marx (Gütersloh), Moderator Thorsten Wagner (Antenne Unna) und Klaus Brandner (Gütersloh).
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Es handelte sich um die Geburtsstunde mit Gründung des deutschen Metallarbeiter-Verbands vor 125 Jahren in Frankfurt sowie die Eröffnungen der ersten heimischen Geschäftsstellen vor 110 Jahren im Simonswerk in Rheda und vor 70 Jahren in Ahlen-Neubeckum.

Die Zweite Bevollmächtigte Birgit Bäumker stellte zur Eröffnung die Tarifeinheit als große Stärke der IGM heraus. Sie räumte ein, dass der Wohlstand von heute 1891 nicht vorstellbar gewesen sei. Gleichzeitig bemängelte Bäumker: „An der ungleichen Verteilung des Vermögens hat sich nichts verbessert.“

Die Erste Bevollmächtigte Beate Kautzmann sagte zur Priorität der IGM: „Wir legen den Fokus auf die Arbeitsplätze und sind damit das Gegenstück zu den Technikverliebten. Nur wir können es schaffen, die Globalisierung gerecht zu gestalten.“ Das Thema Rente durchzog die gesamte Konferenz. Die IGM fordert, das Rentenniveau anzuheben, es an die Lohn- und Gehaltsentwicklung zu koppeln sowie die Rentenpunkte höher zu bewerten. Der dringende Appell der Ersten Bevollmächtigten: „Wir müssen Tarifflucht verhindern. Nur wenn unsere Tarifverträge eine große Fläche abdecken, können sie gesellschafts- und wirtschaftspolitische Wirkung entfalten.“

„Ruhe in der Bude“

Chefredakteur Thorsten Wagner von Antenne Unna brachte drei ehemalige Erste Bevollmächtigte als Zeitzeugen auf die Bühne. Hans Mombaur, bis vor 25 Jahren für die IGM Oelde-Ahlen tätig, berichtete, dass hauptamtliche Gewerkschafter noch in den 1960er Jahren auf Betriebsversammlungen nicht gern gesehen gewesen seien, „weil der Alte Ruhe in der Bude haben wollte“. Und auch die Betriebsräte hätten sich zurückgehalten. Mombaur erinnerte sich an eine schwierige Situation, als bei Westfalia Separator in Oelde 1963 dem Betriebsratsvorsitzenden fristlos gekündigt worden sei, weil er den „falschen Ton“ gewählt habe.

Verhandlungen auf Augenhöhe hält Bernd Marx, der 25 Jahre bei der IGM in Gütersloh beschäftigt war, für unabdingbar. Der Arbeitgeber müsse wissen, dass die Gewerkschaft nicht scherze. Seine schlimmste Zeit sei der Kampf um Arbeitsplätze bei den Westfalia-Werken Wiedenbrück ab 1994 gewesen. Marx: „Wir haben die Kirchen mit ins Boot geholt. Letztlich ist die Firma doch filetiert worden.“

Klaus Brandner, mit 35 hauptamtlichen Jahren bei der IG Metall, fasste zusammen: „Wenn die Solidarität in einem Unternehmen nicht funktioniert, nützt die größte Diplomatie nichts.“ Sein Eindruck ist, das Organisieren von Solidarität sei schwieriger geworden, um dem „Leben Zeit und Zukunft zu geben“. Nach Brandners Überzeugung geht es nicht nur um Lohnerhöhung, sondern auch um die Frage: „Was ist Arbeitsinhalt?“ Der Gewerkschafter sagte: „Arbeit darf nicht nur fremdbestimmt sein.“

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