Anlaufstelle für Werkvertragsarbeiter
Bild: Werneke
Das Beratungsbüro von Faire Mobilität und der IG Werkfairträge an der Schulte-Mönting-Straße 3 in Rheda ist jetzt offiziell eröffnet worden. Das Bild zeigt (v. l.) Inge Bultschnieder (IG Werkfairträge), Claus-Harald Güster (NGG), Szabolcs Sepsi (Faire Mobilität) und die Berater Justyna Oblacewicz und Cristian Pinnes. 
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Offiziell eröffnet worden ist es jetzt im Rahmen der Internationalen Fleischkonferenz der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das Projekt Faire Mobilität, das sich für die Rechte von Arbeitnehmern aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten stark macht, betreibt sieben Beratungsstellen. Eine davon ist die in Dortmund, die seit Sommer um die Außenstelle in Rheda im Rahmen des Schwerpunktbereichs „Beratung in der Fleischindustrie“ erweitert wurde.

Szabolcs Sepsi, Koordinator des Fleischzusatzprojekts Dortmund, berichtete anlässlich der offiziellen Eröffnung in Rheda von einem hohen Beratungsbedarf. In die Sprechstunde, die dienstags von 10 bis 16 Uhr in den 70 Quadratmeter großen Räumlichkeiten mit drei Büros und einem großzügigen Wartebereich angeboten wird, kämen inzwischen nicht nur Arbeitnehmer mit Terminvereinbarung, sondern pro Sprechstunde auch mindestens vier bis fünf Ratsuchende ohne Termin, berichtete er im Gespräch mit der „Glocke“. Drei Berater gehören dem Team an, das Sepsi selbst bei Bedarf verstärkt. Die Kommunikation rund um arbeitsrechtliche Angelegenheiten wie Fragen zu Lohn, Arbeitsunfähigkeit oder Kündigung ist unter anderem auf Polnisch und Rumänisch möglich.

„Es ist wichtig, einen niedrigschwelligen und aufsuchenden Ansatz zu haben“, unterstrich Sepsi, dass man auf die Menschen zugehe. Es würden etwa Informationszettel verteilt. „Zum Schichtwechsel sprechen wir vor Tönnies Leute an, und teilen mit, dass wir beraten“, berichtete er. Eine Veranstaltung, in der über Möglichkeiten, Deutsch zu lernen informiert wurde, habe in der Stelle schon stattgefunden. Der Mitarbeiter von Faire Mobilität unterstrich, dass die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort nicht zuletzt mit Blick auf soziale Problemstellungen wichtig sei. Außer der Caritas ist dies insbesondere die IG Werkfairträge. Inge Bultschnieder von der IG freute sich über den „geschützten Raum“. Der Kontakt zu Faire Mobilität, der schon einigen Jahren bestehe, sei nun kurz und direkt möglich. Wenn jetzt Ratsuchende zu ihr kommen, muss nicht mehr ihr Zuhause als Anlaufstelle herhalten. Die IG stehe für schnelle Hilfe vor Ort und sei unabhängig, betonte sie.

Wunsch, einmal überflüssig zu sein

„Wir sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärte Justyna Oblacewicz, die als Beraterin in Rheda tätig ist und den Eröffnungsgästen Einblicke in ihre Arbeit gab. Ihre berufliche Vision: „Mein Wunsch ist es, mich persönlich überflüssig zu machen.“

 Die Hoffnung, dass sich die Zustände einmal derart verbessern, teilte auch Claus-Harald Güster, Stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. Dass solche Angebote nötig seien, sei ein „Trauerspiel“, kritisierte er die herrschenden Verhältnisse. Zu deren Veranschaulichung griff er kurzerhand zum NGG-Informationsblatt für Werkfairtragsmitarbeiter und lenkte den Fokus auf Aspekte, die dort angesprochen werden. Fragen wie „Bist Du krankenversichert?“ würden zeigen: „Hier arbeiten wir noch auf einem ganz anderen Level.“ Das Kernproblem seien für ihn die Werkverträge. Mit Blick auf die freiwillige Selbstverpflichtung, die Arbeitgeber bezogen auf Arbeitsbedingungen unterzeichnet hätten, betonte Güster, dass für ihn ein entscheidender Schritt vielmehr „eine Unterschrift unter einem Tarifvertrag wäre“.

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