Antibiotika bei der Tiermast im Visier
Antibiotika in der Tiermast kommen auch im Kreis Gütersloh stärker auf den Prüfstand.

Hintergrund ist die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Änderung des Arzneimittelgesetzes mit der Erfassung der tatsächlichen Antibiotika-Gaben und Maßnahmen bei Überschreitung von bestimmten Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit. „Wir bekommen jetzt erstmals belastbare Daten zum tatsächlichen Einsatz dieser Medikamente und eine wissenschaftliche Basis zum Argumentieren“, lobte Dr. Bernhard Beneke (Bild) ausdrücklich das neue bundesweite Konzept.

Neues Konzept bringt wissenschaftliche Datenbasis

Künftig könne man die Antibiotika-Verwendung beispielsweise nach Betrieben, Regionen, Tierarten oder auch Jahreszeiten vergleichen, so der Leiter der Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Kreis. Er halte es aber für „unrealistisch“, dass durch die Anwendung des neuen Konzepts die Gabe dieser Medikamente auf null zurückgehe, erklärte Beneke im Ausschuss.

Schließlich habe die Tiergesundheit weiter einen hohen Stellenwert und es gebe immer mal zu behandelnde Erkrankungen. Man wolle aber erreichen, dass Antibiotika so wenig wie eben möglich eingesetzt würden. Frühere Untersuchungen im Kreis hätten ergeben, dass die Mittel in der Hühner- und Putenmast zwar bestimmungsgemäß verwandt worden seien, der Einsatz trotzdem als zu hoch anzusehen sei, sagte der Veterinär.

Therapiehäufigkeit als Kennzahl

Rund 500 bis 600 Betriebe sind im Kreis von den neuen Bestimmungen betroffen. Sie müssen nicht nur die Art der Tierhaltung und den Beginn der Mastperiode angeben, sondern auch tagesgenau an eine zentrale Datenbank melden, warum sie wann und wie viel Antibiotika für welche Tiere eingesetzt haben. Daraus wird dann ein Durchschnittswert (Therapiehäufigkeit) ermittelt.

Werden Kennzahlen überschritten, muss gegengesteuert werden. Die 25 Prozent der Mäster, die bei den halbjährlichen Analysen am schlechtesten abschneiden, werden vom Veterinäramt bewertet und begutachtet. Nötigenfalls veranlasst die Behörde in dem Betrieb spezielle Gegenmaßnahmen. Dr. Beneke: „Zuerst einmal sind aber der Halter und sein Tierarzt gefragt.“ Zeit- und Maßnahmenpläne werden sogar veröffentlicht.

Weiterer Tierarzt fürs Veterinäramt

Rund 150 000 Euro muss der Kreis jährlich für diesen neuen Aufgabenbereich aufwenden (einschließlich einer Verwaltungskraft mit einer Dreiviertel-Stelle). Das Geld sind dem Kreis die Bemühungen um weniger Einsatz von Antibiotika bei der Tiermast wert.

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