Archäologen erforschen Grabhügel
Bild: Neitemeier
Die graue Bodenfärbung, die sich zwischen den freigelegten schwarzen Flecken bis in den gewachsenen Sand-Untergrund zieht, ist nach Überzeugung der LWL-Archäologen um Dr. Daniel Bérenger Beleg für ein Pfostenloch des Grabhügels aus der frühen und mittleren Bronzezeit. Das Bodendenkmal liegt der auf der Trasse eines künftigen Autobahnzubringers.
Bild: Neitemeier

Die Entdeckung eines ersten Pfostenlochs seit Beginn der Arbeiten Mitte Mai direkt am Schnatweg ist vielversprechend. Für einen Laien sieht der rund 1,20 Meter hohe Hügel mit einem Durchmesser von etwa 14 Metern einer Düne zum Verwechseln ähnlich.  Auch der gräulichen Färbung des Bodens, die sich zwischen zwei schwarzen Flecken in den gewachsenen gelben Sanduntergrund hineinzieht, würde ein Nichtfachmann kaum eine Bedeutung beimessen.

Pfostenloch entdeckt

Doch Dr. Bérenger, der die Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen leitet, klärt auf: „Als Begrenzung des Grabhügels hat hier mal ein Pfosten gesessen. Als der morsch war oder herausgezogen worden ist, ist normaler Oberboden nachgerutscht, so dass der gewachsene Grund an dieser Stelle gestört und andersfarbig ist und heute Rückschlüsse auf damals zulässt.“

Dass der 63-Jährige der Suche nach weiteren Pfostenlöchern, Körpergräbern oder Resten von späteren Brandbestattungen aus der Eisenzeit 800 bis 500 vor Christus) mit Spannung entgegenfiebert, ist spürbar – und verständlich. Schließlich ist dieser Grabhügel in Steinhagen der einzig unversehrte von rund 40, die unter der Regie von Dr. Bérenger in den vergangenen 30 Jahren in Ostwestfalen-Lippe ausgegraben worden sind. „Mal lief ein Forstweg drüber, mal gab es Abgrabungen“, erläutert der Experte.

Bodendenkmal liegt auf Trasse für Autobahnzubringer

Knochenfunde werden in dem Grabhügel aktuell nicht erwartet. Bérenger: „Die sind im Sand längst zerfallen.“ Gleichwohl hoffen die Archäologen, Gruben von etwa 1,70 Meter Länge mit Platz für eine unverbrannte Leiche zu entdecken.

In OWL gibt es, mit einem Schwerpunkt im Raum Paderborn, rund 2000 bekannte Grabhügel aus der Bronzezeit. Dr. Bérenger kennt sie alle und vermutet, dass noch mehr existieren. Zwischen Steinhagen-Amshausen und Halle-Künsebeck sind etwa zehn solcher Anlagen vorhanden. Deshalb ist das Gebiet insgesamt ein Bodendenkmal. Dass man dem jetzt in Angriff genommenen Hügel und später möglicherweise auch einem zweiten in der Nähe zu Leibe rückt, hängt mit dem Bau der Autobahn A 33 zusammen. Der Schnatweg wird nämlich von der Bundesstraße 68 aus zu einem Autobahnzubringer ausgebaut – und das Zeugnis vergangener Kulturen liegt genau auf der Trasse.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Kreisseite Gütersloh in der „Glocke“ am Freitag, 20. Juli.

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