Auch Hartz-IV-Post wird verständlicher
Idema-Geschäftsführerin Michaela Blaha lobt den Kreis Gütersloh für sein Bemühen um verständlichere Briefe und Texte.

Klarere Formulierungen sind das Ziel, ohne dass die Rechtssicherheit leidet. In Sachen Hartz IV wäre der Kreis Gütersloh die erste kommunale Verwaltung in Deutschland, die diesen Weg geht. Möglich wird das, weil der Kreis jetzt das Projekt „Amtsdeutsch a. D.“ und damit die Zusammenarbeit mit dem „Internetdienst für eine moderne Amtssprache“ (Idema) der Universität Bochum bis Ende Februar 2013 verlängert hat – für 13 000 Euro.

Projekt läuft seit 2009

Seit 2009 nehmen Sprachexperten und Juristen Texte aus dem Gütersloher Kreishaus unter die Lupe, um sie einfacher und verständlicher zu formulieren. Da werden „Ablichtungen“ zu „Kopien“ und „Augengläser“ zu „Brillen“. Statt „entrichten“ heißt es „zahlen“, die „Altersgenossen“ sind „Personen im gleichen Alter“ und „fernmündlich“ ist „telefonisch“.

Über diese redaktionelle Arbeit hinaus haben die Fachleute der Uni Führungskräfte der Verwaltung geschult und Schreibwerkstätten für Beschäftigte durchgeführt, berichtete Idema-Geschäftsführerin Michaela Blaha im Kreisausschuss. Der Kreis Gütersloh sei eine der wenigen Behörden, die das Thema „systematisch angepackt“ hätten, lobte die Expertin. Verwaltungsinterne Zielvereinbarungen über die Zahl der zu überarbeitenden Texte seien „einzigartig“.

Anfangs gab es Vorbehalte

Bei aller Neugier und Offenheit habe es anfangs auch viele Vorbehalte gegeben. Doch jetzt seien die Rückmeldungen „durchweg positiv“, so Blaha. Es gelte, auf dem Grundstein aufzubauen und „Amtsdeutsch a. D.“ dauerhaft im Bewusstsein und im Alltag der Mitarbeiter zu verankern. Die Vorteile lägen auf der Hand: „Sind Texte verständlicher, gibt es weniger Rückfragen, Missverständnisse und Beschwerden“, so die Expertin.

15 Verwaltungen in Deutschland – vom NRW-Innenministerium bis zur Stadt Oberursel – nutzen die Idema-Datenbank, in der sich inzwischen auch 31 überarbeitete Mustertexte aus dem Gütersloher Kreishaus finden. Weitere stehen kurz vor ihrer Freigabe. Zudem hat allein die Abteilung Umwelt mehr als 60 Standardschreiben bürgerfreundlicher verfasst.

Und, so Referatsleiter Thomas Kuhlbusch vom Kreis: „Viele Mitarbeiter sind begeistert dabei und freuen sich, von altbackenen Formulierungen abrücken zu dürfen.“ Das Idema-Wörterbuch hilft ihnen. Eine Unterstützung, auf die die Stadt Rheda-Wiedenbrück künftig verzichtet. Sie hat „Amtsdeutsch a. D“ aus Kostengründen nicht verlängert.

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