Autokorso für „mehr Zeit und Geld“
Sehen die Existenz der ambulanten Pflegedienste akut bedroht: (v. l.) Ulrike Boden (Arbeiterwohlfahrt), Burkhard Kankowski (Daheim), Nele Tiemann (Arbeiter-Samariter-Bund OWL), Ingo Hansen (Diakonie Halle), Marlene Kuhlmann (Daheim), Matthias Timmermann (Caritas) und Uli Marquardt (Förderkreis Wohnen, Arbeit, Freizeit).

Eine erste Protestaktion der Pflegedienste ist am Dienstag, 23. April, ein Autokorso in Gütersloh. Bis zu 200 Mitarbeiter der Dienste werden sich mittags mit ihren Autos auf dem Marktplatz treffen und um 12.45 Uhr gemeinsam zur Geschäftsstelle der AOK an der Barkeystraße fahren, um dort einer Mitteilung zufolge deutlich zu machen: „Ambulante Pflege braucht nicht nur mehr Geld, sie braucht mehr Zeit.“

„Ambulante Pflege existenziell bedroht“

Beteiligt sind Arbeiterwohlfahrt (Awo), Caritas, Diakonie, der Verein Daheim, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der Förderkreis „Wohnen, Arbeit, Freizeit“ und der Verein katholischer Altenhilfeeinrichtungen (VKA). Außer dem Autokorso sind Kundgebungen, Diskussion und weitere Aktionen geplant. „Das Maß ist voll“, teilen die Verbände im Kreis Gütersloh mit.

Das jüngste Entgelt-Angebot der Krankenkassen habe das Fass zum Überlaufen gebracht. „Es kommt de facto einer Verschlechterung von 0,6 Prozent gleich“, sagt Matthias Timmermann, Vorstand des Kreis-Caritasverbands. Die Offerte der Kassen sei meilenweit von der Forderung der Freien Wohlfahrtspflege entfernt. Die Mitgliedsverbände hielten ein Vergütungs-Plus von 13 Prozent für notwendig, um steigende Energie- und Personalkosten sowie Mehraufwände wegen strengerer Auflagen zu finanzieren.

Klagen über massive Dokumentationspflicht

Die massive Dokumentation von Pflege und die „Überprüfungs-Maschinerie“ macht den Mitarbeitern der Mitteilung zufolge das Leben schwer. Und sie verschärfe die wirtschaftliche Lage der Pflegedienste. Uli Marquardt (Leiter ambulante Pflege beim Förderkreis Wohnen, Arbeit, Freizeit): „Der Anspruch und der daraus resultierende Aufwand an qualitätssichernden Maßnahmen sind unglaublich hoch. Wir bekommen das aber nicht refinanziert.“

Probleme bei der Personalsuche

Ingo Hansen, Geschäftsführender Vorstand der Diakonie im Kirchenkreis Halle, hält das Gebaren der Krankenkassen für unredlich: „Indem sie uns trotz voller Kassen immer wieder drücken, gefährden sie die Existenz der Pflegedienste. Die Arbeitsbedingungen verschärfen sich. Dadurch haben wir Probleme, Personal zu finden. Es wird immer schwieriger, echte ,Pflege am Menschen’ zu leisten.“

Hansen sieht einen Fehler im System: Der Gesetzgeber habe die Kassen zu „Hütern der Entgelte“ gemacht. Ein freier Wettbewerb, in dem ambulante Pflegedienste ihre Preise auf dem Markt selbst durchsetzen könnten, finde nicht statt.

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