Baby-Simulator schult Jugendliche
Wie echte Säuglinge sehen die Baby-Simulatoren aus. Sie haben Hunger, schlafen, schreien und reagieren auf große Vernachlässigung. Ulrike Brunneke (links) und Helen Rüggeberg aus Versmold präsentieren die ausleihbaren Puppen. Das Angebot richtet sich an Jugendliche aus dem gesamten Kreis Gütersloh.

Das Angebot richtet sich an Personen im Kreis Gütersloh aus sozialen Einrichtungen und Schulen, aber auch an Betreuungspersonen, die in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen ein sogenanntes Elternpraktikum durchführen möchten. 

Pflegeverhalten der Jugendlichen wird aufgezeichnet

Ziel des Praktikums laut Mitteilung: Nach vier Tagen und Nächten sei den beteiligten Jugendlichen klar, was es bedeute, einen vier Monate alten Säugling zu haben, der gewickelt, gefüttert, gewiegt und mit allem versorgt werden wolle. Das Pflegeverhalten der Jugendlichen werde in einem integrierten Datenspeicher des Simulators aufgezeichnet und am Projektende gemeinsam ausgewertet. 

Am 20. November findet die nächste Schulung für den Umgang mit den Baby-Simulatoren statt. In diesem Zusammenhang wird auch das Konzept des Elternpraktikums vorgestellt. „Das Projekt ist zwar in Versmold angesiedelt, wird aber an Schulen und in Jugendzentren kreisweit genutzt und vom Kreis Gütersloh unterstützt, so dass die Schulung für alle Menschen aus helfenden Berufen aus dem Kreisgebiet kostenlos ist“, teilt Yvonne Hantke, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Gütersloh, mit. 

43 Mädchenschwangerschaften in 5 Jahren

Auch wenn die Schwangerschaften von Jugendlichen bundesweit seit zehn Jahren abnähmen, seien die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Versmold, Ulrike Brunneke, und Schulsozialarbeiterin Helen Rüggeberg weiterhin vom Sinn des Projekts überzeugt, heißt es in der Mitteilung weiter. „Im Kreis Gütersloh haben in den vergangenen fünf Jahren 43 Mädchen Schwangerschaften ausgetragen“, berichtet Brunneke. „Diese Fälle sind dem Jugendamt bekannt, da von Amtswegen bis zur Volljährigkeit der jungen Mütter eine Vormundschaft für das Neugeborene eingerichtet wird.“ 

Schwangerschaft als Flucht aus emotionaler Leere

Manche Minderjährige erhofften sich, durch ein eigenes Kind der emotionalen Leere der eigenen Familie und der mit einem fehlenden Schulabschluss verbundenen Perspektivlosigkeit zu entfliehen, heißt es in der Mitteilung weiter. Geringe Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und Armut erhöhten die Wahrscheinlichkeit, ungewollt minderjährig schwanger zu werden.

Soziale Situation als Einfluss

Die soziale Situation beeinflusse bei jungen Menschen sowohl die Verhütung als auch die Entscheidung, eine Schwangerschaft auszutragen, heißt es in einer Mitteilung aus dem Kreishaus. So biete das Elternpraktikum für junge Heranwachsende eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Ausleihe der Baby-Simulatoren kostet 20 Euro pro Gerät und Tag. Dazu gibt es einen Informationshandzettel, der ebenfalls bei den beiden Ansprechpartnerinnen erbeten werden kann. 

Wer Interesse daran hat, im eigenen Arbeitsbereich Baby-Simulatoren einzusetzen, kann sich mit Ulrike Brunneke, 01511/4865413, oder Helen Rüggeberg, 01515/5429358, von der Stadt Versmold in Verbindung setzen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.versmold.de.

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