Barocke Pracht und üppige Ironie
Bild: Pieper
„Schloss Bückeburg“ ist eine von 16 großformatigen, opulenten Arbeiten der ungarischen Künstlerin Sala Lieber, die vom 31. März bis 15. Mai in der Wiedenbrücker Galerie Hoffmann zu sehen sind.
Bild: Pieper

Die Wiedenbrücker Galerie Hoffmann, Forum für moderne Kunst an der Langen Straße 50, lockt mit farbenfroher Opulenz: Samt und Seide, Goldhauch und Lüsterglanz, Putten und Patina, hochherrschaftliches Gebaren und schelmische Gnome, exotisches Federvieh und mystische Gestalten mischen sich zu faszinierenden Allegorien. Überwiegend großformatig und wunderbar altmeisterlich gemalt von Sala Lieber. „Faltenschlag und Spitzenkragen“ hat die gebürtige Ungarin ihre Ausstellung betitelt. Am Montag, 31. März, wird sie um 19 Uhr eröffnet. Kunstkenner, -liebhaber und –sammler Dr. Dr. Thomas Rusche (SØR, Oelde) wird eine Einführung in den so seltsam vertraut wirkenden und doch überaus befremdlichen Bildkosmos der in Neuss ansässigen Künstlerin geben.

Welch Wertschätzung die Künstlerin Sala Lieber erfährt, lässt sich auch daran ablesen, dass sie für die auf 250 Exemplare limitierte Künstlerausgabe des letzten Brockhaus’ (Lexikon in einem Band) den Einband schuf. Er zeigt die „Anna Amalia Bibliothek“. Lieber hatte Fotos von der 2004 bei einem Großbrand nahezu völlig zerstörten Weimarer Bibliothek gesehen und wollte daraufhin diesen Schrein klassischer Kultur und Bildung auch malerisch rekonstruieren. Zerstörung als Initialzündung, Wie in all ihren Werken verbindet Sala Lieber in ihrem Bild „Anna Amalia Bibliothek“ Reales und Fantastisches: „Wissen ist kein dröges Regalgespinst, sondern eine beflügelnde Erlebniswelt mit Befreiungs- und Entgrenzungspotenzial“, sagt sie. „Indem wir in dieser Welt ankommen, kommen wir auch bei uns selbst an.“
 Als Tochter von Antiquitätenhändlern 1980 in Budapest geboren, hat Sala Lieber schon früh die Malerei für sich entdeckt. Mit 15 siegte sie beim Nationalen Malwettbewerb, mit 19 studierte sie an der Kunstakademie in Dresden, ab 2001 an der Kunstakademie in Düsseldorf, unter anderem bei Jörg Immendorff und Herbert Brandl, dessen Meisterschülerin sie wurde.

Ihre Bildsprache ist eine selbstbewusste, so feminin wie emanzipiert. Sie zeugt von großer Fabulierkunst – und vom Wissen um die Doppelbödigkeit des Seins. Wer Liebers Kunsträume visuell betritt, der gelangt schnell in tiefe Seelenräume, in einen Dschungel aus Symbolismus und Ironie. Ihre Reverenz ans goldene Zeitalter des 17. Jahrhunderts und an die Ikonen der Klassik ist offensichtlich, aber nur ein Vehikel, um Lebenslust und Eros der Vergänglichkeit gegenüberzustellen. Ihre gemalten Geschichten sind modern, auch wenn sie im barocken oder biblisch anmutendem Szenarium daherkommen.

Die Frauen, die sie mit leerem Blick und steifen Halskrausen in gebauschten Roben porträtiert, konterkarieren in ihrer Isoliertheit und Einsamkeit den Reichtum um sich herum. Kleine, kostbar gekleidete Mädchen – „Darwins Enkelinnen“– spielen im edlen, aber menschenleeren Schlosszimmer mit ausgestopften oder kopflosen Vögeln. Und „Die Infantin Antonia“ kann sich zwar an ihrem Hund festhalten, aber der Rest der Familie löst sich in unergründlichem Schwarz auf. Glück sieht anders aus.

Vordergründiges wird entlarvt

Zu sehen ist die Ausstellung „Faltenschlag und Spitzenkragen“ bis zum 15. Mai. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14.30 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

In Sala Liebers Bildern wimmelt es von Tieren. Da wird der Affe, Symbol für Eitelkeit und Lüsternheit, ausgiebig gestreichelt. Fasane als Synonym für Liebe und Wollust begleiten die nackte Judith, wenn sie Holofernes den Kopf abschneidet. Der Hahn, Metapher für Manneskraft, wird von der Schlossherrin in ihren Schoß gepresst und der schlanke Reiher, Sinnbild der Gerechtigkeit, wird von zarter Hand gewürgt. Es sind diese Details, die das Vordergründige entlarven. Kunst, die prachtvoll desavouiert.

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