Bereits sieben Klienten 2019 gestorben
Gut loslassen können: Caritas-Drogenberaterin Nicola Bals mit einem Ritual zum besseren Umgang mit Tod und Trauer anlässlich des internationalen Gedenktages für verstorbene Drogenkonsumenten.

Der Gedenktag am Sonntag, 21. Juli, ist für sie deswegen ein wichtiger Tag, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Nicola Bals gehört seit März zum Team der Sucht- und Drogenhilfe und arbeitet dort unter anderem im Café- und Servicebereich. „Seit dieser kurzen Zeit habe ich bereits mehrere Personen kennengelernt, die jetzt nicht mehr leben“, sagt sie.

Wenn Klienten der Caritas Sucht- und Drogenhilfe sterben, führen Bals und ihre Kollegen auch mit Hinterbliebenen Trauergespräche. „Erst kürzlich ist ein langjähriger Klient plötzlich verstorben, dessen Tod für andere Café-Besucher schmerzhaft war und sehr überraschend kam“, führt die Drogenberaterin weiter aus.

„Dann ist es mir wichtig, diese Trauer zuzulassen, ihr Raum und Zeit zu geben und sie zu begleiten. Ansonsten kann es sein, dass versucht wird, die damit verbundenen Gefühle wie Angst und Traurigkeit mit Drogen zu betäuben.“

So geht es bei diesen Gesprächen oft auch um die eigene Lebensführung und Selbstfürsorge. Denn riskanter Alkohol- oder Drogenkonsum birgt außer den direkten und akuten gesundheitlichen Risiken auch immer die Gefahr von chronischen Folgeerkrankungen.

Und die Liste dieser möglichen Folgen des Drogenkonsums ist lang. Sie reicht von Herzschäden über Lähmungen, Nierenversagen und einer Schädigung des körpereigenen Abwehrsystems bis hin zur Zerstörung verschiedener Organe. Häufig kommt für Betroffene auch der soziale Abstieg hinzu.

Seit einigen Jahren nutzt das Caritas-Team den internationalen Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten am 21. Juli, um mit Klienten nicht nur den Verstorbenen zu gedenken, sondern auch um den Klienten Kompetenzen mit an die Hand zu geben und ihnen Mut zu machen.

Nicola Bals: „Wenn ein liebgewonnener Mensch verstirbt, geht es darum, das eigene Leben neu auszurichten. Orientierung und Kraft kann man dabei unter anderem aus dem eigenen Lebensweg schöpfen. Es geht also darum, sich die eigenen Glücksmomente, die bisherigen Träume und Ziele wieder bewusst zu machen. Diese notiert man sich am besten auf einen Zettel und steckt ihn für den Notfall ins Portemonnaie.“

Bei allen Belastungen, die dieser Job mit sich bringt, kann Nicola Bals aber ein positives Fazit für sich herausziehen: „Außer diesen traurigen Lebenserfahrungen ist es schön, eine neue Qualität des Lebens mit den Besuchern des Cafés wieder zu entdecken und aufmerksam bei der eigenen Lebensführung und Gesundheitsfürsorge zu bleiben.“

SOCIAL BOOKMARKS