Böckstiegel-Bild entfaltet Doppelleben
Bild: Poetter
„Die Schnitter“: Spannende Rückseite des Böckstiegel-Gemäldes „Vater im Walde ruhend“, das die Restauratorinnen Brigitte Schröder (links) und Marita Schlüter gestern in die Aula der PAB-Gesamtschule in Werther zurückgebracht haben.
Bild: Poetter

Was die beiden Expertinnen ausgepackt haben ist etwas ganz Besonderes: Die 178 mal 140 große Leinwand ist zwischen die Rahmenleistung gespannt und von Peter August Böckstiegel (PAB) bemalt worden – von beiden Seiten. Am Donnerstag hat das sanierte Ölgmälde „Vater im Walde ruhend“ aus dem Nachlass des Wertheraner Expressionisten in der ebenfalls umfangreich renovierten Aula der nach ihm benannten Gesamtschule in Werther wieder seinen angestammten Platz eingenommen. An der Wand neben der Bühne erstrahlt es dort in neuem Glanz.

In den vergangenen Monaten ist das Bild in der Werkstatt gereinigt und restauriert worden. Es seien nur geringe Eingriffe notwendig gewesen, erklärt Marita Schlüter und spricht von einem guten Gesamtzustand der Arbeit. Das Hauptproblem waren einige dunkle und pastös gemalte Bereiche, die brüchig geworden waren sowie Verunreinigungen und Fliegenschmutz. „Durch die vorgehängte Plexiglasscheibe war das Bild jedoch relativ sauber“, so die Fachfrau aus Everswinkel. Während auf der Vorderseite des 1928 entstandenen und fast ein wenig impressionistisch daherkommenden Werks der Vater Böckstiegels in entspannter Position zu sehen ist, zeigt die relativ gut erhaltene Rückseite das Gemälde „Zwei Schnitter“. Dargestellt ist ein einfacher Bauer mit Sense, dem als Vorzeichnung ein weiterer Mann - mit Totenschädel – über die Schulter schaut. Es wird erzählt, dass Böckstiegels Vater sehr erschrocken gewesen sei, als er das noch unfertige Bild gesehen habe. Der Maler habe auf dieser Version zum Thema „Vater“ einen Fingerabdruck hinterlassen, so Schlüter.

Vom 7. April bis 28. Juli zeigt das Böckstiegel-Haus in Werther eine Sonderausstellung mit Werken von Conrad Felixmüller, Künstler der zweiten Generation deutscher Expressionisten und Schwager Peter August Böckstiegels. Die 20 Arbeiten werden zum ersten Mal öffentlich präsentiert. Die Schau zeigt Felixmüllers künstlerische Entwicklung, ausgehend von frühen Radierungen und expressiven Holzschnitten, sensible Porträts und farbkräftige Landschaftsdarstellungen.
Peter August Böckstiegel hat die Rückseite dann offensichtlich verworfen und nicht zu Ende gemalt. „Schade“, findet der Leiter des Böckstiegel-Hauses, David Riedel, dem das ausdrucksstarke und expressiv gemalte Motiv sehr gut gefällt. Im Übrigen befinde sich unter diesem Bild noch eine Version, hat die Restauratorin festgestellt. Es sei wohl davon auszugehen, dass der Künstler aus Geldmangel zu dieser Lösung griffe und deshalb beide Seiten der Leinwand bemalt. habe.„Vielleicht ergibt sich einmal die Möglichkeit, das Gemälde in einer Ausstellung zu präsentieren, bei der beide Seiten gezeigt werden“, wünscht sich die Restauratorin.

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