Böckstiegel-Museum zeigt Wilhelm Heiner
Bild: Blumenstein
Malerisches Hauptwerk: David Riedel (l.), Leiter des Museums Peter August Böckstiegel in Werther, und Matthias Heiner vor dem 1952 entstandenen Triptychon „Souvenir de Saintes-Maries-de-la-Mer“ des Bielefelder Künstlers Wilhelm Heiner (1902-1965).
Bild: Blumenstein

Wer das Foyer des Bielefelder Stadttheaters betritt, wird von seinem farbenfrohen Triptychon „Souvenir de Saintes-Maries-de-la-Mer“ begrüßt. Zum ersten Mal seit den 1960er-Jahren wird das Werk des in Enger geborenen Bielefelders jetzt umfassend präsentiert: Das Museum Peter August Böckstiegel in Werther zeigt von Sonntag, 4. November, bis zum 20. Januar Wilhelm Heiner in 80 Arbeiten als facettenreichen Künstler, der zeichnete, malte, Skulpturen schuf und meterhohe Kirchenfenster – etwa die der St.-Jodokus-Kirche in Bielefeld und jene von St. Josef in Oelde – in Mosaiktechnik gestaltete.

Jede Schaffensperiode ist vertreten – die der Nachkriegsjahre stärker, denn beim großen Bombenangriff auf Bielefeld 1944 wird Heiners Atelier zerstört. Viele Dokumente seines Frühwerks verbrennen, darunter Skizzen für plastische Arbeiten, in denen der ausgebildete Steinmetz, Holzschnitzer, Bildhauer und Glasmaler menschliche Körper – oftmals tanzend – darstellt. Dem Figurativen wird er, wie viele Künstler seiner Generation, auch nach dem Krieg verpflichtet bleiben.

Heiners Verwandlung vom Bildhauer zum Maler vollzieht sich 1930/31 in Frankreich. Vor allem die Landschaft der Camargue und die Zigeunerwallfahrt mit tausenden Pilgern inspirieren ihn über lange Zeit zu Gemälden mit den Motiven Tanz, Musik, Zirkus und Fest. Heiners Überzeugung: „Tanz ist der Ursprung aller Künste.“ Auch sein Hauptwerk, das mehr als vier Meter lange monumentale Triptychon für das Theater, greift 1952 das Thema auf – es zeigt einen ausgelassenen Volkstanz. Als Betrachter meint man, die Szenerie geradezu hören zu können.

Denselben Effekt erzeugen die 300 Dirigentenporträts, mit denen sich der Künstler, der in der Oetkerhalle ein und aus geht, nach dem Zweiten Weltkrieg einen Namen macht. Die Kohle- und Kreidezeichnungen sind Zeugnisse des wiedererwachenden Kulturlebens. Präzise hält Heiner die jeweils typische Gestik von Wilhelm Furtwängler, Yehudi Menuhin und anderen fest. „Mein Vater stand während der Proben seitlich auf der Bühne, verborgen durch einen Vorhang, und zeichnete wie ein Verrückter“, so Matthias Heiner (72). Der Sohn gerät in Begeisterung, wenn er vom Familienleben erzählt: „In unserem Haus ging es turbulent zu. Es war voller Musiker, Sänger und Tänzer. Herrlich war das.“

David Riedel, Leiter des Böckstiegel-Museums, sagt: „Wilhelm Heiner passt wunderbar in unser Museumsprofil, denn wir schauen auf die regionale Kunstgeschichte.“ Und da sei der Bielefelder eine zentrale Figur der Nachkriegszeit gewesen.

Den ausführlichen Vorbericht zur Ausstellung und eine Biografie Wilhelm Heiners finden Sie in der „Glocke“ von Samstag, 3. November!

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