CDU will kein Krematorium mehr
Archivfoto: Schäfer
In Urnen wird die Asche der Verstorbenen beigesetzt: Eine Feuerbestattung, wie über Monate in der Kommune diskutiert, soll es nach Auffassung der CDU nicht geben.
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Rückblick: Im Dezember 2019 hatte der Gemeinderat mit breiter Mehrheit beschlossen, einen Bebauungsplan für ein Krematorium in Herzebrock aufzustellen. Das war der Startschuss für die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens. In den politischen Diskussionen war stets betont worden, dass nicht der tatsächliche Bau einer Feuerbestattung beschlossen worden sei. Von Beginn an regte sich Widerstand. Anlieger und Bürger hinterfragten sowohl den Standort als auch den generellen Bedarf für eine solche Anlage in der Kommune. Ein entsprechender Bürgerantrag, der die Einstellung der Planungen forderte, wurde im Februar vom Rat abgelehnt – mit 31 Ja- und zwei Nein-Stimmen.

Planungen gerieten ins Stocken

Im Zuge der Corona-Pandemie gerieten die Planungen ins Stocken. Eine weitere Beratung im Planungsausschuss sowie eine Bürgerversammlung fielen aus. Ursprünglich war angedacht, dass der Rat in dieser Woche entscheidet, ob die Planungen für eine Feuerbestattung weitergeführt oder eingestellt werden sollen. Jetzt folgte der CDU-Antrag. Da zu diesem Thema immer Transparenz gefordert worden sei, habe er entschieden, den Antrag in den nichtöffentlichen Teil zu geben, so Bürgermeister Marco Diethelm. Was im ersten Moment paradox klingt, begründet das Gemeindeoberhaupt damit, dass eben alle Fraktionen das Thema zunächst hätten beraten können um es dann gesamtheitlich öffentlich zu diskutieren. Zudem fand kein öffentlicher Teil statt. Mittwochabend wurde entschieden, den Antrag demnächst öffentlich zu diskutieren.

„Keine einvernehmliche Lösung“

In der Begründung führt die CDU aus: „Nach mehreren Gesprächen mit Anwohnern und Bürgern sehen wir keine einvernehmliche Lösung in der Frage eines passenden Standorts.“ Unter anderem hatte die CDU Anlieger zu einem Gespräch eingeladen, das Mitte Juni in der Brandenburg-Halle stattgefunden hatte. Sechs Anwohner aus dem Bereich des geplanten Standorts an der Gütersloher Straße nahmen teil. Rund eine Stunde dauerten die Gespräche. Blickt man auf den Antrag, so hat auch dieser Austausch zu den aktuellen Entwicklungen geführt. In dem Schreiben führt die CDU weiter aus, dass ein wichtiger Punkt für die gewünschte Planungseinstellung die Rauchgasführung der Feuerbestattung sei. Diese erfolge „über eine hohe Schornsteinanlage, die nach unseren Erkenntnissen nicht in ein Ortsbild einpassen kann“, heißt es. „Die Suche nach einem Alternativstandort halten wir nicht für möglich.“

Industriegebiet nicht geeignet

Immer wieder war im Lauf der Diskussionen von verschiedenen Seiten angeregt worden, einen Standort innerhalb des Industriegebiets zu suchen. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2012 erteile diesem Gedanken eine klare Absage, führt die CDU aus. Der Beschluss besage, dass Krematorien mit Abschiedsräumen – das ist Bestandteil der Herzebrocker Planungen – generell mit Gewerbeflächen nicht vereinbar seien. Das Bundesverwaltungsgericht nennt in dem Urteil folgende Leitsätze: „Ein als Gemeinbedarfsanlage betriebenes Krematorium mit Abschiedsraum ist eine Anlage für kulturelle Zwecke.“ Und weiter: Das vertrage sich nicht mit der Zweckbestimmung eines Gewerbegebiets und könne daher nicht im Wege der Ausnahme zugelassen werden. Wann über den Antrag der CDU entschieden wird, konnte Bürgermeister Marco Diethelm noch nicht sagen.

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